Millionenabschreibung droht
Streit um Formel-1-Anteil von EM.TV geht vor Gericht

In dieser Woche könnte sich entscheiden, ob die krisengeschüttelte Mediengesellschaft EM.TV & Merchandising AG ihren Anteil an der Rennsportserie Formel 1 an ein Bankenkonsortium abgeben und damit 204 Millionen Euro abschreiben muss.

Reuters FRANKFURT. Am Dienstag beginnt vor dem königlichen Gerichtshof der Kanalinsel Jersey die Verhandlung im Streit um das Pfandrecht, mit dem die Banken JP Morgan, Lehman Bros und die Bayerische Landesbank den 16,7-prozentigen Anteil an der Formel 1 beanspruchen. EM.TV hält diesen Anspruch dagegen für rechtswidrig und erreichte im Dezember eine Einstweilige Verfügung gegen die Verwertung des Anteils. Die Verhandlung ist zunächst auf zwei Tage, Dienstag und Mittwoch, angesetzt. Wann das Gericht das Urteil bekannt gibt, ist noch unklar.

Gibt das Gericht den Banken recht, muss der auf Kinder- und Jugendprogramme spezialisierte TV-Rechtehändler die Formel-1-Beteiligung, die noch mit 204 Millionen Euro in den Büchern steht, vollständig abschreiben. Um diesen Betrag würde sich das Eigenkapital der Gesellschaft verringern, das zum 30. September bei 485,3 Euro gelegen hatte.

Die Banken leiten ihren Anspruch auf den Formel-1-Anteil von einer Kreditbeziehung zum früheren Kirch-Konzern ab, der inzwischen in großen Teilen insolvent ist. Der Unternehmer Leo Kirch hatte im Jahr 2001 einen gemeinsam mit EM.TV gehaltenen Anteil von 75 Prozent an der Formel 1 den drei Banken als Sicherheit für einen Milliarden-Kredit gegeben - mit dem Wissen des damaligen EM.TV-Chefs Thomas Haffa. Der jetzige Vorstandsvorsitzende Werner Klatten hält das Pfandrecht nun für nicht rechtskräftig. Bemühungen um eine außergerichtliche Einigung scheiterten bisher. EM.TV sei weiter gesprächsbereit, betonte ein Unternehmenssprecher am Montag.

Das ungeklärte Pfandrecht auf die EM.TV-Anteile erschwert auch die Verhandlungen über eine Beteiligung der Autohersteller an der Formel 1, die schon seit Monaten andauern. Die Banken wollen einen Teil des 75-Prozent-Pakets an die Autobauer verkaufen, die dann auch ein größeres Mitspracherecht bei der Rennsportserie fordern. Formel-1-Organisator Bernie Ecclestone, dessen Familie die restlichen 25 Prozent an der Rennsportserie hält, hatte seine Teilnahme an einer im Dezember geplanten Gesprächsrunde abgesagt.

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