Millionentransfers nach Brasilien und Madrid
Aachen war Umschlagplatz für Reemtsma-Lösegeld

Dreh- und Angelpunkt für Transaktionen von Lösegeld aus der Reemtsma-Entführung ist der Aachener Raum gewesen.

dpa AACHEN. Rund ein Drittel der umgerechnet 30 Millionen Mark aus der Entführung des Hamburger Millionärs Jan Philipp Reemtsma sind zwischen 1999 und 2001 im deutsch-belgischen Grenzraum zwischengelagert und dann nach Brasilien und Madrid gebracht worden. Das hat der 33-jährige Angeklagte im Prozess um das Reemtsma-Lösegeld vor dem Aachener Landgericht gestanden. Er habe umgerechnet rund 10,4 Millionen Mark (5,34 Millionen Euro) aufbewahrt und transportiert.

Dem Physiotherapeuten aus Aachen werden versuchte Anstiftung zum Mord, Geldwäsche und Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Er wurde gefasst, nachdem er bei einem vorgetäuschten Raubüberfall unabsichtlich schwer verletzt worden war. Die Ermittler hatten bei ihm 600 000 Dollar aus dem Lösegeld gefunden, das die Entführer 1996 für die Freilassung Reemtsmas kassiert hatten. Als ihr Drahtzieher war im März 2001 Thomas Drach zu über 14 Jahren Haft verurteilt worden.

Der in Aachen angeklagte Mann hatte wegen drückender Schuldenlast nach eigenen Angaben 1999 Kurierdienste übernommen. Den Kontakt zu dem Umfeld von Drach habe ein "väterlicher Freund" in Belgien hergestellt. In fünf Transporten hat der Physiotherapeut laut Anklage insgesamt 1,1 Millionen Dollar und sechs Millionen Schweizer Franken in größeren Beträgen nach Rio de Janeiro, Madrid, Aachen und Lüttich gebracht. Dafür habe er rund 70 000 Euro kassiert. Kontaktmann sei dabei auch der Bruder des Entführers, Lutz Drach, gewesen.

Zeitweise wurden den Angaben zufolge enorme Geldsummen in der Aachener Praxis des Mannes und im Privathaus im belgischen Moresnet gelagert. Im Sommer 2000 sollen dort 6 Millionen Schweizer Franken und 750 000 Dollar versteckt gewesen sein. Während der Kurier die 6 Millionen Franken einem Kontaktmann am Lütticher Bahnhof übergab, blieben die Dollar monatelang im Versteck.

Der Geld-Kurier "stolperte", als er von den anvertrauten 750 000 Dollar 100 000 Dollar für eigene Zwecke ausgab. In seiner Erklärungsnot habe er einen Freund zur Ermordung der Geldgeber anstiften wollen, erklärte die Staatsanwaltschaft. Als der sich weigerte, wollten die beiden mit einem vorgetäuschten Raubüberfall den Verlust des Geldes erklären. Dabei sei der 33-Jährige schwerer als geplant verletzt worden. Der Schütze habe sich bei der Polizei gestellt. Das Urteil wird am Freitag erwartet.

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