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Milosevic bekommt Pflichtverteidiger

Der wegen Kriegsverbrechen angeklagte frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic kann sich nach Überzeugung des UN-Tribunals in Den Haag wegen seiner angeschlagenen Gesundheit nicht länger allein verteidigen.

dpa DEN HAAG. Der wegen Kriegsverbrechen angeklagte frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic kann sich nach Überzeugung des UN-Tribunals in Den Haag wegen seiner angeschlagenen Gesundheit nicht länger allein verteidigen.

Die Strafkammer, vor der sich der 63-Jährige seit mehr als zweieinhalb Jahren verantworten muss, hat ihm deshalb am Donnerstag Pflichtverteidiger beigeordnet. Der an Bluthochdruck und Herzproblemen leidende Milosevic sprach von einem Skandal und protestierte heftig gegen den Beschluss. Nach seiner Meinung werde ihm dadurch das Recht genommen, sich selbst zu verteidigen.

Nach dem Wunsch der Richter sollten zwei Juristen, die im Auftrag des Tribunals seit Beginn des Prozesses auf einen fairen Ablauf des Verfahrens zu achten haben, die Aufgabe übernehmen. Bis Freitagmittag sollte die Verwaltung ermitteln, ob die so genannten Freunde des Gerichts (amici curiae) Steven Kay und Gillian Higgins aus Großbritannien die Pflichtverteidigung von Milosevic übernehmen. Kay hatte zuletzt noch Zweifel geäußert, dass die "Freunde" eine Rolle als Pflichtverteidiger übernehmen sollten.

Die beiden Anwälte sollen einerseits Milosevic helfen, die Aufgabe der Verteidigung gegen umfangreiche Anklagen schwerster Verbrechen in den neunziger Jahren im Kosovo, in Kroatien und in Bosnien- Herzegowina zu bewältigen. Mit der Benennung soll aber nach Angaben der Richter auch sichergestellt werden, dass der Prozess durch Erkrankungen des Angeklagten nicht weiter verzögert wird oder gar platzt. Bisher sind nach ihren Angaben wegen seiner Erkrankungen bereits 66 Verhandlungstage ausgefallen.

Milosevic kündigte an, dass er gegen die Entscheidung der Kammer Berufung einlegen werde. Nach seiner Ansicht würde er mit der Benennung eines Verteidigers das von ihm als illegal bezeichnete Tribunal anerkennen. Staatsanwalt Geoffrey Nice meinte am Donnerstag, dass Milosevic auf alleiniger Verteidigung bestehe, weil er sich so am besten an seine Anhänger im früheren Jugoslawien wenden könne. Ihm gehe es in seinen Beiträgen um das Publikum und nicht um das Gericht. Der Prozess wird täglich über Fernsehen nach Belgrad übertragen. Mit der Vernehmung der ersten Zeugen der Verteidigung soll das Verfahren am nächsten Dienstag fortgesetzt werden.

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