Milosevic droht Niederlage
Jugoslawen wählen Präsidenten und Parlament

Bei der Präsidentenwahl droht Amtsinhaber Slobodan Milosevic Umfragen zufolge eine Niederlage.

Reuters BELGRAD. In Jugoslawien waren am Sonntag 7,8 Mill. Wähler aufgerufen, einen neuen Präsidenten und ein neues Parlament zu wählen. Zudem fanden in Serbien Kommunalwahlen und in der Wojwodina in Nordserbien Wahlen zum Provinzparlament statt. Bei der Präsidentenwahl droht Amtsinhaber Slobodan Milosevic Umfragen zufolge eine Niederlage. Danach lag der vom UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag angeklagte Milosevic deutlich hinter dem Kandidaten der Demokratischen Opposition Serbiens (DOS), Vojislav Kostunica. Ministerpräsident Momir Bulatovic bekräftigte nach der Abgabe seiner Stimme vor Journalisten in Podgorica, dass Milosevic bis zum Ende seiner Amtszeit Mitte 2001 im Amt bleiben werde.

Die Wahlokale in Serbien und Montenegro waren von 07.00 Uhr bis 20.00 Uhr (MESZ) geöffnet. Erste vorläufige Ergebnisse wurden nicht vor Mitternacht erwartet.

Vor den Wahllokalen in Belgrad versammelten sich am frühen Morgen vor allem Rentner, die täglich früh auf den Straßen sind, um nach wichtigen Lebensmitteln anzustehen. Ein älterer Mann sagte, er sei schon um halb sieben gekommen. "Ich war gestern der erste in der Schlange, die nach Zucker anstand, und heute wollte ich auch der erste sein (vor dem Wahllokal)." Vor einem anderen Wahllokal sagte ein junger Mann, er werde am Abend in die Stadt gehen, wozu die Opposition aufgerufen hat. Auf großen Plätzen will die Opposition Ergebnisse bekannt geben. Der junge Mann sagte dazu: "Es werden wohl mehr als 100 000 von uns werden. Wenn sie die Wahlen nicht fälschen, werden wir gewinnen."

Kostunica will demokratische Reformen durchsetzen

Bulatovic bekräftigte seine bereits früher geäußerte Ansicht, dass der 59-jährige Milosevic bis Ende Juni nächsten Jahres im Amt bleibe, da erst dann seine Amtszeit endet. Auf die Frage, ob Milosevic das Wahlergebnis anerkennen werde, auch wenn die Opposition siegt, sagte Bulatovic: "Es gibt keinen Grund für ihn, die Ergebnisse der Wahl nicht anzuerkennen." Bulatovic gab seine Stimme in der Hauptstadt Montenegros ab, dessen pro-westliche Regierung die Präsidentenwahl als Verstoß gegen die Verfassung bezeichnet hat und boykottiert. Anhänger Milosevics gaben dennoch ihre Stimme in Wahllokalen ab, die sie in Privatwohnungen eingerichtet hatten. Auch in einem Geschäft war ein Wahllokal eingerichtet worden. Eine Frau sagte, sie habe dort für den Frieden gestimmt.

Kostunica hat im Fall eines Wahlsieges demokratische Reformen angekündigt und strebt ein Ende der internationalen Isolation des Landes an. Die Opposition und der Westen befürchten jedoch, dass Milosevic sich durch Wahlbetrug nach 13 Jahren weiter an der Macht halten will.

Sollte bei der Präsidentenwahl im ersten Wahlgang keiner der vier Kandidaten die absolute Mehrheit erhalten, muss innerhalb von 15 Tagen eine Stichwahl zwischen den beiden führenden Bewerbern stattfinden.

Bei der Parlamentswahl werden 138 Abgeordnete der Bürgerkammer bestimmt, davon 30 in Montenegro. Zudem bestimmen die Wähler je 20 Abgeordnete aus Serbien und Montenegro für den Rat der Republiken, die zweite Parlamentskammer.

In der serbischen Provinz Wojwodina sind es insgesamt fünf Wahlen: Präsident, beide Kammern des Bundesparlaments, Gemeinderäte und das Provinzparlament.

Im Kosovo schickte die UNO-Verwaltung Beobachter zu den Wahllokalen, um sicherzustellen, dass wegen des Wahlboykotts der albanischen Bevölkerung die Urnen nicht mit gefälschten Stimmzetteln gefüllt werden.

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