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Milosevic nahm ersten Zeugen ins Kreuzverhör

Der vor dem internationalen Kriegsverbrechertribunal angeklagte jugoslawische Ex-Präsident Slobodan Milosevic hat am Dienstag selbst den ersten Zeugen der Anklage ins Kreuzverhör genommen.

rtr DEN HAAG. "Könnten Sie uns erklären, was Apartheid bedeutet?" fragte Milosevic den früheren kommunistischen Weggenossen Mahmut Bakalli. Bakalli hatte am Montag dem Ex-Präsidenten vorgeworfen, in den 90er Jahren im Kosovo gegenüber der albanischen Bevölkerungsmehrheit eine Politik der Apartheid (Rassentrennung) betrieben zu haben. Die serbische Führung unter Milosevic habe bereits in den Schulen und Hochschulen für eine einseitig auf Serbien ausgerichtete Schulpolitik gesorgt. Bakalli war der erste Zeuge, den das Tribunal in den Zeugenstand gerufen hatte. Der Prozess, der am 12. Februar begann, dürfte Jahre dauern.

Zum Abschluss seiner Verteidigungsrede hatte Milosevic gesagt, der Westen sei entschlossen gewesen, Jugoslawien zu zerschlagen und einem neuen Kolonialismus zu unterwerfen. Milosevic erkennt das Tribunal nicht an und verteidigt sich selbst. Die Anklage wirft dem 60-jährigen Milosevic Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während der drei zwischen 1991 und 1999 geführten Kriege im Kosovo, in Bosnien und Kroatien vor.

Bakalli wirft Milosevic Politik der "verbrannten Erde" vor

Bakalli, ein Politiker der Kosovo-Albaner, warf Milosevic vor, einen Plan mit dem Codenamen "Verbrannte Erde" im Kosovo verfolgt zu haben. Er hatte 1998 einer Delegation angehört, die sich bei Milosevic um eine Entspannung der Lage in der serbischen Provinz Kosovo bemühte, nachdem es dort zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen serbischen Polizisten und albanischen Untergrundkämpfern gekommen war. Der damalige Chef der serbischen Staatssicherheit, David Gajic, habe ihm 1998 mitgeteilt, Ziel des Planes sei es, 700 Siedlungen von Albanern auszulöschen, deren Eigentum und sie selbst zu vernichten, sagte Bakalli.

Bakalli war von 1970 bis 1981 Funktionär der Kommunistischen Partei im Kosovo und ist dort heute Abgeordneter im ersten unter Uno-Aufsicht gewählten Regionalparlament. Viele der Zeugen in dem Prozess sollen vor Gericht anonym bleiben, um sie vor Repressalien zu schützen. Milosevic hat sie deshalb als falsche Zeugen bezeichnet, die Teil eines Meers von Lügen gegen ihn seien.

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