Milzbrand: Pentagon konstatierte Mängel bei Prävention
Die unsichtbare Zeitbombe

Ein Todes- und zwei Verdachtsfälle von Milzbrand innerhalb weniger Tage nähren in den USA die Furcht vor Terroranschlägen mit Biowaffen. Was vor dem 11. September als hysterische Panikmache abgetan worden wäre, ist mittlerweile ein realistisches Bedrohungsszenario geworden.

ap BOCA RATON/WASHINGTON. 25 Jahre ist es her, dass in den USA ein Mensch durch Einatmen der Anthrax-Bakterien starb. Im gesamten 20. Jahrhundert gab es nur 18 Fälle dieser seltenen Variante in den USA. Nun traten in weniger als einer Woche ein sicherer und zwei mögliche Fälle auf. Die Gesundheitsbehörden schlossen bereits aus, dass der Erreger auf natürliche Weise in die Redaktion der "Sun" in Florida gelangte, zu der in mindestens zwei der Fälle die Spur führt. Das FBI ermittelt. "Tickt die unsichtbare Zeitbombe bereits?," fragen Bürger und Experten.

Die Bedrohung durch den Milzbranderreger ist nicht neu. Bereits 1997 ordnete das Pentagon an, dass alle Angehörigen der US-Streitkräfte gegen Anthrax geimpft werden sollen, allen voran die am Persischen Golf stationierten Soldaten. Schon damals verfügte Irak nach Ansicht der USA über biologische Waffen wie Milzbranderreger. Der frühere CIA-Direktor James Woolsey konstatierte 1998: "Es ist nur ein bisschen schwieriger, Milzbrand-Bakterien herzustellen, als ein kleines Hinterhoflabor zu betreiben."

Eine vor wenigen Monaten veröffentlichte Pentagon-Studie zu möglichen biologischen oder chemischen Angriffen kommt zwar zu dem Schluss, dass die USA in der Lage seien, auf einen entsprechenden Angriff zu reagieren, weist aber auf Mängel bei der Vorbeugung hin. "Unser herkömmlicher Weg, biologische Organismen zu bestimmen, ist sie aufzuspüren und zu kultivieren", sagt Chemieprofessor Michael Wartell, der auch Vorsitzender des Wissenschaftsausschusses des Militärgeheimdienstes ist. "Dies ist ein sehr langsamer Prozess und dauert drei bis vier Tage. In dieser Zeit bist Du tot", erklärt Wartell.

Günter Gross von der Universität von North Texas arbeitet mit finanzieller Unterstützung des Verteidigungsministerium bereits an der Entwicklung eines Gerätes, dass gefährliche Bakterien aufspüren soll. Sechs Monate mindestens wird er dafür noch brauchen, sagt der Wissenschaftler. Doch schon jetzt stößt sein Projekt auf großes Interesse. Neben der US-Regierung hätten sich auch israelische Vertreter nach Einsatzmöglichkeiten erkundigt, berichtet Gross. Sein Gerät könnte auch zum Schutz von US-Botschaften in als gefährlich eingestuften Ländern eingesetzt werden. "Ein chemischer oder biologischer Angriff auf große Gebiete ist schwierig", sagt Gross, "aber nicht gegen einzelne Gebäude."

68 Tote bei Laborunfall in der damaligen Sowjetunion

Experten gehen davon aus, dass Terroristen auch in der Lage sind, Milzbranderreger in Klimaanlagen einzuschleusen. Da die Erreger sehr robust sind, können sie in geschlossenen Räumen mehrere Wochen lang überleben. Weder Sonnenlicht noch Desinfektionsmittel können ihnen etwas anhaben.

Das größte bisher bekannte Unglück mit Anthrax ereignete sich 1979 in der damaligen Sowjetunion. Bei der Freisetzung der Sporen aus einem Militärlabor starben damals mindestens 68 Menschen an Milzbrand.

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