Milzbrand-Serie reißt nicht ab
Neue Kriegsphase mit Bodenkampfflugzeug

Mit dem Einsatz eines neuen Flugzeugtyps, der so genannten "fliegenden Artillerie" AC-130 deutet sich offenbar eine neue Phase der amerikanischen Angriffe in Afghanistan an. Nach Ansicht von Experten könnte die A-130 zur Unterstützung beim Einsatz von Spezialeinheiten am Boden dienen. Bei ihren Attacken am Dienstag haben die Amerikaner versehentlich auch ein Lager des Roten Kreuzes in Kabul getroffen. US-Außenminister Colin Powell setzte seine diplomatische Anti-Terror-Mission unterdessen in Indien fort. In den USA wächst die Angst vor Anthrax nach neuen Milzbrandfällen.

dpa WASHINGTON/ISLAMABAD. Die Amerikaner hatten die AC-130 erstmals am Montag eingesetzt. Das Flugzeug zählt zu den schlagkräftigsten Waffensystemen. Die langsam fliegende Maschine verfügt je nach Modell über Kanonen und Maschinengewehre, die pro Minute bis zu 1800 Mal feuern können. Das heißt, Ziele können mit einem "Teppich" von Geschossen belegt werden. Bisher waren im Afghanistan-Krieg ausschließlich Langstreckenbomber, seegestützte Kampfjets und von Schiffen oder U- Booten abgefeuerte Marschflugkörper eingesetzt.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz bestätigte, dass in Kabul ein Nahrungsmittellager getroffen wurde. Eine angrenzende Lagerhalle mit Decken und Plastikschutzplanen sei beschädigt worden. Die Hallen liegen nur einen Kilometer vom Flughafen von Kabul entfernt. Nach Angaben der afghanischen Nachrichtenagentur AIP wurden bei den Bombardierungen am Dienstag 9 Menschen getötet und 22 verletzt.

Die Serie von Milzbrandfällen in den USA reißt nicht ab. In New York wurde ein sieben Monate altes Baby einer Mitarbeiterin des Fernsehsenders ABC mit dem gefährlichen Milzbrand-Erreger infiziert. Der Junge war mit seiner Mutter in der Redaktion gewesen. Auch bei einem Kollegen des Mannes, der in Florida vor eineinhalb Wochen an Anthrax gestorben ist, bestätigte der Verdacht einer Ansteckung mit dem gefährlichen Lungen-Anthrax. Bis Dienstag sind insgesamt vier Amerikaner nachweislich an Anthrax erkrankt, einer davon ist gestorben.

USA will Pakistan finanziell unterstützen

US-Außenminister Colin Powell traf am Dienstag zu Gesprächen mit der politischen Führung in Indien ein. Zuvor hatte Powell in Pakistan Militärherrscher Pervez Musharraf in dessen Unterstützung für die internationale Anti-Terror-Kampagne bestärkt. Der US-Außenamtschef stellte Islamabad langfristig weit reichende finanzielle Unterstützung in Aussicht.

Das afghanische Taliban-Regime hat nach Angaben eines Sprechers der oppositionellen Nordallianz bereits 7000 Waffen an die Zivilbevölkerung verteilt. Außerdem soll von jeder zweiten Familie ein männliches Mitglied zum Dienst in der Taliban-Armee gezwungen worden sein, berichtete die iranische Zeitung "Entekhab" unter Berufung auf Nordallianz-Sprecher Hashem Urtaq.

Die Vorgänge in den USA rufen in Europa zahlreiche "Trittbrettfahrer" auf den Plan. Behörden, Firmen und Einzelpersonen erhielten auch hier Briefe oder Päckchen mit weißem Pulver, das sich aber gewöhnlich als harmlos herausstellte. In Italien soll den Mann, der mit einem Brief falschen Anthrax-Alarm auslöste, für den Polizeieinsatz und Untersuchungskosten 100 000 Mark Schadenersatz zahlen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte vor Panik. Der Milzbrand-Erreger sei gut zu bekämpfen, erklärte ein WHO-Sprecher in Genf. Der eingeatmete Erreger sei nicht übertragbar, Massenimpfungen seien nicht sinnvoll. Der ehemalige UN-Waffeninspekteur im Irak, Richard Butler, schloss in einem Fernsehinterview nicht aus, dass Irak mit den "Milzbrand-Briefen" zu tun haben könnte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%