Milzbrandfälle dürften keine großen Auswirkungen auf die Post-Aktie haben
Logistik-Titel sind sicherere Häfen in unsicheren Zeiten

Konjunkturelle Flaute, Milzbrand-Attacken oder Terroranschläge in den USA: Für europäische Logistikwerte ist das kein großes Thema. Die Aktien gelten als eine recht krisenfeste Anlage.

DÜSSELDORF. Die Transport- und Logistikbranche blickt optimistisch in die Zukunft. Peer Witten, Vorsitzender des Vorstands der Bundesvereinigung Logistik (BVL) geht nach wie vor davon aus, dass das prognostizierte zweistellige Wachstum in diesem Jahr erreicht wird. Impulse erhält die Branche dabei vor allem von dem Trend, das Unternehmen in wirtschaftlich schweren Zeiten verstärkt dazu übergehen, Unternehmensteile auszugliedern, um Kosten zu sparen. Outsourcing heißt das Zauberwort. Der Logistik- und Transportbereich zählt dabei zu den Favoriten der Unternehmenslenker.

Logistikaktien gelten als relativ sicherer Hafen für Anleger. Frei nach dem Motto: Geht es der Wirtschaft gut, wird viel transportiert. Geht es der Wirtschaft schlechter, wird ausgegliedert. Davon profitieren wiederum die Anbieter von Logistiklösungen. Und in diesem Geschäft ist noch eine ganze Menge "Musik" drin. Während die deutschen Unternehmen bislang nur knapp ein Drittel ihrer Logistikaufgaben an Fremdfirmen vergeben, rechnet der BVL bis 2004 bereits mit einem Anteil von über 40 %.

West LB Panmure empfiehlt Logistik-Aktien in Zeiten drohender Rezession und militärischer Aktionen mit dem "Outsourcing Argument". Die Logistikbranche habe "defensive Qualitäten", meint West LB-Analyst John Lawson. Viele Unternehmen hätten erkannt, dass die Logistiker eine Schlüsselrolle für sie spielen können. Eine bessere Logistik helfe dabei, Kosten zu sparen.

Deutsche Post mauserte sich zum Analysten-Liebling

Zum Liebling der Logistik-Analysten hat sich in jüngster Zeit vor allem die Deutsche Post gemausert. Als Logistik-Riese profitieren die Bonner zunehmend vom Outsourcing. Jüngstes Beispiel: IBM hat der Post-Tochter Securicor in Großbritannien einen Großauftrag für den Transport von Computer-Hardware erteilt, der 15 000 Lkw-Ladungen jährlich umfasst. Securicor übernimmt mit Hilfe der Post-Tochter Danzas die alleinige Verantwortung für den Versand der Ware in Europa. Ursprünglich arbeitete IBM mit 60 Spediteuren.

Die Post bietet ihren Kunden noch ein weiteres Plus, dass Konkurrenten, wie der US-amerikanische Paketzusteller UPS in Europa, erst noch einrichten wollen: einen Unternehmensbereich Finanzdienstleistungen mit der Postbank. Betriebswirte nennen dies neudeutsch: Cross-Selling-Potenzial.

Ein weiteres Beispiel: Die Post hat mit Fiat eine europäische Logistik- und Finanzkooperation vereinbart. Ziel ist es, die Lieferung von Ersatzteilen Fiats an die Händler zu optimieren. Dazu gehört auch die Finanzierung des Ersatzteilbereichs. Zu diesem Zweck wurde eine neue Gesellschaft gegründet, an der Fiat mit 19 %, die Posttochter DHL Worldwide Express mit 19,9 %, die Postbank mit 29,1 % und andere Finanzinvestoren mit 32 % beteiligt sind.

Wer sich vor Ansteckungen mit tödlichen Krankheiten durch verseuchte Post fürchtet und daher vor einer Anlage in Postaktien zurückschreckt, wird von Analysten beruhigt: Behinderungen des Briefverkehrs durch vermeintlich mit Milzbranderregern verseuchte Post dürften keine allzu großen Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung der Bonner haben, meint Mario Kristl von Helaba Trust.

Zwar seien für die Deutsche Post außerordentliche Aufwendungen durch erhöhte Sicherheitsaufwendungen und Überstunden von bislang 150 000 Euro zu erwarten. "Doch gehen wir davon aus, dass die aktuelle Milzbrandhysterie wieder abnehmen wird und es weder zu Umsatzausfällen noch zu einem Rückgang beim Briefvolumen kommen wird."

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