Minardi und Arrows mit Problemen
Formel 1 droht Schrumpfprozess

Der Formel 1 droht ein Schrumpfprozess. Das chronisch unterfinanzierte Minardi-Team steht auf der Kippe. Heinz - Harald Frentzens Rennstall Arrows und Jordan plagen große Probleme. An diesem Donnerstag kann sich Minardis Schicksal entscheiden.

dpa MONTREAL. Die elf Teamchefs debattieren bei ihrem Treffen in London darüber, ob die Italiener etwa 15 Mill. Dollar aus dem TV- und Vermarktungstopf erhalten und damit die Saison in Ruhe zu Ende fahren können. "Unsere Zukunft hängt von dieser Entscheidung ab", sagte Minardi-Eigentümer Paul Stoddart in Montreal.

Strittig ist, ob das seit 1985 in bislang 279 Rennen sieglose Hinterbänkler-Team Anspruch auf die durch die Prost-Pleite frei gewordenen Gelder hat, oder ob die Summe unter allen Rennställen aufgeteilt werden muss. "Das ist unser rechtmäßiges Geld. Wir müssen darum nicht betteln", interpretiert Stoddart die Situation zu seinen Gunsten. Minardi habe in den letzten drei Jahren zwei Mal in den Top- Ten der Konstrukteurs-Wertung gelegen. Damit stehe ihnen das Geld entsprechend dem "Concorde Agreement", dem Grundgesetz der Formel 1, zu.

Die ebenfalls klammen Teamchefs Eddie Jordan und Tom Walkinshaw sehen dies naturgemäß anders und beanspruchen ihren Anteil. Arrows soll angeblich 90 Mill. Dollar Schulden angehäuft haben. Hohe Kosten für den Cosworth-Motor an Ford, die Fabrikmiete, alte Zahlungen an Zulieferer und Gerichtskosten erschweren den Überlebenskampf. Walkinshaw soll laut britischen Internetberichten inzwischen neue Sponsoren gewonnen haben. Nach anderen Quellen soll es einen potenten Kaufinteressenten geben.

Meldungen, nach dem Großen Preis von Großbritannien am 7. Juli in Silverstone sei Schluss, entbehren allerdings jeglicher Grundlage. Frentzen drückt sich um eine klare Antwort zur Situation bei Arrows. "Ich kann dazu nichts sagen. Ich bin nicht der Finanzsprecher von Arrows. Ich gehe davon aus, dass wir die Saison zu Ende fahren", sagte der Mönchengladbacher zu den Spekulationen.

Im Gegensatz zu Minardi und Arrows kreist der Pleitegeier in dieser Saison noch nicht über Eddie Jordan. Für den gelernten Bankkaufmann aus Irland könnte 2003 zum Schicksalsjahr werden. Hauptsponsor Deutsche Post soll vor dem Absprung stehen, Benson & Hedges seine Zuwendungen weiter kürzen. Zudem will Motorenpartner Honda seine Triebwerke künftig nicht mehr kostenlos, sondern nur noch gegen Bezahlung liefern. Jordan drohte bereits mit Gericht und will angeblich eine Entschädigung für die vorzeitige Vertragsauflösung in Höhe von 25 Mill. Dollar. Damit könnte er Ford-Kundenmotoren kaufen.

Stoddart sieht die einzige Lösung für die kleinen Teams in einer Partnerschaft mit Herstellern. "Sonst können wir nicht überleben. Wenn das nicht passiert, treten vielleicht 2003 wirklich nur noch acht Teams an", malte der Australier ein Schreckgespenst an die Wand. Gerade einmal rund 45 Mill. Dollar, und damit etwa ein Zehntel des Haushalts der Top-Teams, beträgt der Minardi-Etat. In diese Summe sind die ausstehenden 15 Mill. bereits eingeplant. "Wir könnten die Saison auch ohne dieses Geld zu Ende fahren. Die Frage ist aber, ob ich das will", drohte Stoddart einen vorzeitigen Ausstieg an.

Bernie Ecclestone scheint sich schon darauf eingerichtet zu haben, dass nicht alle elf Rennställe überleben. "Ich bin sicher, dass wir ein oder sogar zwei Teams bis zum Ende der Saison verlieren", sagte der Formel-1-Chef nüchtern. Lösungsvorschläge für ein weiterhin attraktives Feld liegen längst auf dem Tisch: Ein Modell sieht vor, dass die Teams künftig eben drei statt zwei Rennwagen einsetzen.

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