Minderheiten-Diskriminierung
Wider die DNA

Ein klarer Fall von "Zigeunertheater"? Maurizio Zamparini, Präsident des US Palermo, hat beim Spiel Italien-Rumänien durch ausländerfeindliche Bemerkungen für einen Eklat gesorgt - und die seit langem schwelenden Vorurteile zwischen Italienern und Rumänen neu belebt. Da ist es nur gut, dass in der heutigen Partie auch ein Roma auflaufen wird.
  • 0

S o so, der Italiener an sich ist also aalglatt und verschlagen. Er täuscht Verletzungen vor und saugt die Hinterlist schon mit der Muttermilch auf. Wer das gesagt hat? Maurizio Zamparini, Präsident des US Palermo. Na ja, nicht ganz. Im Originalton hörte sich das so an: "Der Spieler hat, wie es sich für einen guten Zigeuner gehört, versucht eine hinterlistige Nummer abzuziehen." Und, etwas präziser: "Alle Rumänen sind so. Die haben das in ihrer DNA."

Es handelte sich also doch um keine Selbstbezichtigung dieses stolzen Bewohners des "Bel Paese". Nein, die Rumänen waren gemeint. Und stellvertretend für sie der Spieler des AC Florenz, Adrian Mutu. Der war nach dem Zusammenprall liegen geblieben und musste behandelt werden. Für Zamparini ein klarer Fall von "Zigeunertheater".

Nun ist Mutu zwar Rumäne, aus der Gemeinschaft der gern als Zigeuner beleidigten Roma und Sinti kommt er aber nicht. Doch auf feine Unterscheidungen legt man in den rechtskonservativen Kreisen zwischen Mailand und Palermo keinen Wert mehr. Spätestens seit Ende des vergangenen Jahres eine Italienerin von einem Rumänen ausgeraubt und später erstochen worden war.

Die rund eine Million Menschen zählende rumänische Gemeinschaft in Italien sah sich danach einer regelrechten Progromstimmung ausgesetzt. In Rom wurden drei Rumänen von mutmaßlichen Lazio-Anhängern lebensgefährlich verletzt. Rumänen der Serie A wurden auf Spruchbändern als "Hurensöhne" und "dreckige Zigeuner" beschimpft. Mutu traute sich in den Tagen nach dem Verbrechen nur mit Personenschutz auf die Straße.

In Italien ist ihm ein Problem der eigenen Gesellschaft auf die Füße gefallen. Roma und Sinti werden in Rumänien nach wie vor diskriminiert. Da ist es nur gut, dass in der heutigen Partie auch ein Roma auflaufen wird. Der dunkelhäutige Banel Nicolita kommt aus einer Armenfamilie und hat nach eigenen Angaben das Fußballspielen "barfuß und mit knurrendem Magen" gelernt. Er wäre wohl genau der Richtige, um ein lang gepflegtes Vorurteil von Rumänen und Italienern zu berichtigen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%