Minderheitsaktionär France Telecom will eine Vollkonsolidierung des Mobilfunkunternehmens vermeiden
Aktionäre spekulieren auf Abfindung bei Mobilcom

Kräftige Kursausschläge bei Mobilcom: Auslöser sind Spekulationen, wonach den Kleinaktionären nach dem Einstieg durch ein Bankenkonsortium eine Abfindung lockt. Ob die Anleger Grund zur Freude haben, ist unklar: Sollten die Banken nicht gemeinschaftlich einsteigen, gehen die Aktionäre leer aus.

abo/lip HAMBURG/PARIS. Die Aktie des Mobilfunkanbieters Mobilcom AG ist zum Spielball von Spekulationen geworden. Anlass hierfür sind Börsengerüchte, wonach den Kleinaktionären ein Abfindungsangebot von 22 Euro je Aktie lockt. Die Spekulationen beflügeln seit Tagen den Kurs der am Neuen Markt notierten Firma. So legte die Notierung am Dienstag um 25 % zu und stieg gestern erneut um knapp 4 % auf 15,60 Euro.

Grund für die Spekulationen ist, dass offenbar ein Konsortium aus den Banken Merrill Lynch, Deutsche Bank, Société Générale und ABN Amro Bank alle Anteile des Großaktionärs und Vorstandschefs, Gerhard Schmid, sowie seiner Frau Sybille Schmid-Sindram von knapp 50 % übernehmen will. Schmid hatte sich nach einem wochenlangen Streit mit dem Minderheitsaktionär France Telecom (FT) SA, der 28,5 % der Anteile hält, entschieden, sich aus der von ihm gegründeten Firma zurückzuziehen und seine Anteile an ein von den Franzosen favorisiertes Bankenkonsortium zu verkaufen.

Sollten die Kreditinstitute gemeinschaftlich die Anteile der Familie Schmid übernehmen, müssten sie den Streubesitzeignern eine Abfindung zahlen. Grund: Das seit 1. Januar 2002 in Kraft getretene Übernahmegesetz sieht vor, dass Erwerber von mindestens 30 % der Anteile an einer börsennotierten Gesellschaft die Kleinaktionäre abfinden müssen. Davon wären bei Mobilcom mehr als 20 % betroffen.

Doch es ist derzeit unklar, ob es hierzu überhaupt kommt. Denn in Finanzkreisen kursieren Gerüchte, wonach die vier Banken jeweils nur 12 % der Anteile übernehmen (Handelsblatt vom 11. April 2002). In diesem Fall würde kein Kreditinstitut die kritische Schwelle von 30 % überschreiten, eine Abfindung an die Kleinaktionäre würde nicht fällig. Ein Sprecher von Mobilcom wollte hierzu keinen Kommentar abgeben.

Ob der Streubesitz Grund zur Freude hat, hängt deshalb von der künftigen Anteilsstruktur ab. Letztes Wort bei der Bewertung hat hier das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe). "Wir können derzeit keine Aussage treffen, ob bei Mobilcom eine Abfindung gezahlt werden muss oder nicht", sagt eine BAWe-Sprecherin.

Doch France Telecom steht vor einem größeren Problem: Der hochverschuldete Staatsriese ist fest entschlossen, sich nicht zu einer Vollkonsolidierung oder Übernahme von Mobilcom drängen zu lassen. Danach müssten die Franzosen rund 7 Mrd. Euro Bankverbindlichkeiten des Büdelsdorfer Unternehmens in ihre Bilanz einstellen. Vorstandschef Michel Bon und Finanzvorstand Jean-Louis Vinciguerra haben hingegen mehrfach klargestellt, dass sie Lösungen nicht für akzeptabel halten, die derartige Konsequenzen hätten.

Wie aus dem Konzern verlautete, arbeiteten schon vor der spektakulären Abschreibung der Mobilcom-Beteiligung auf nahe Null Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer daran, beides auszuschließen. Dennoch haben einige Analysten eine Vollkonsolidierung von Mobilcom in einige ihrer Szenarien für die Zukunft des halbstaatlichen Telefonkonzerns einbezogen. Auch dann ist nicht mit einer finanziellen Gefährdung der Gesellschaft zu rechnen.

In Frankreich liegt die Grenze für die Vollkonsolidierung von Tochtergesellschaften bei 50 %. Umgehen könnte FT das Problem, indem Mobilcom in eine neu gegründete Firma eingebracht wird, an der die Banken 51 % und FT 49 % halten.

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