Mindestens 13 Tote und 75 Verletzte
US-Soldaten feuern auf Demonstranten

US-Soldaten haben Augenzeugen zufolge bei Bagdad mindestens 13 irakische Demonstranten erschossen und damit das Verhältnis der US-Truppen zur Zivilbevölkerung einer neuen Belastungsprobe ausgesetzt.

Reuters FALLUDSCHA. Ein sunnitischer Geistlicher in der 50 Kilometer westlich von Bagdad gelegenen Stadt Falludscha sagte am Dienstag Reuters, die unbewaffneten Demonstranten hätten vor einer von US-Truppen besetzten Schule den Abzug der USA gefordert. Die Soldaten hätten darauf das Feuer eröffnet. Die US-Streitkräfte erklärten dagegen, die Soldaten seien aus der Menge beschossen worden und hätten das Feuer erwidert. In Bagdad stellte sich der von den US-Truppen gesuchte frühere Gouverneur der Provinz Basra.

Der Chefarzt des Krankenhauses in Falludscha sagte, 75 Menschen seien bei der Schießerei verletzt worden. Einwohner berichteten, die rund 200 Demonstranten seien unbewaffnet gewesen.

US-Soldaten in Falludscha sagten dagegen, sie seien aus der Menge heraus beschossen worden. Sie hätten versucht, die Menge auseinander zu treiben und hätten erst dann geschossen, als plötzlich zwei mit Schnellfeuergewehren bewaffnete Männer auf einem Motorrad hinter den Demonstranten hervorgefahren seien und auf die Schule geschossen hätten. Auch einige Menschen aus der Menge hätten geschossen. Das US-Central Command in Katar teilte mit, die Soldaten hätten auf einen Iraker geschossen, der auf sie gefeuert habe. Die Einheit in Falludscha habe von ihrem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch gemacht und das Feuer erwidert.

Am Morgen beerdigten die Angehörigen ihre Toten. Die Trauernden riefen: "Unsere Seelen und unser Blut werden wir euch Märtyrern opfern." Einer von ihnen, Schuker Abdullah Hamid, der nach eigenen Angaben seinen Cousin beisetzte, sagte Reuters: "Sie stehlen unser Öl und sie schlachten unser Volk ab". Am Montagabend hatten US-Soldaten in der nordirakischen Stadt Mossul mindestens sechs Kämpfer erschossen. Am Samstag waren bei der Explosion eines Munitionsdepots in Bagdad mindestens zwölf irakische Zivilisten ums Leben gekommen.

Noch am Montag hatten sich einige Iraker optimistisch über den Prozess der Regierungsbildung geäußert. Ein Treffen irakischer Oppositioneller mit dem US-Zivilverwalter Jay Garner hatte beschlossen, innerhalb von vier Wochen eine Versammlung zur Bildung einer Übergangsregierung einzuberufen.

Das Central Command teilte mit, der frühere irakische Ölminister Amir Muhammed Raschid habe sich gestellt. Er gehört zu den 55 meistgesuchten Vertretern der irakischen Ex-Führung und ist ihr 14. Vertreter, der von den US-geführten Streitkräften ergriffen wurde.

Auch der Gouverneur der Provinz Basra im Süden Iraks, Walid Hamid Taufik el Tikriti, stellte sich Vertretern des US-Verteidigungsministeriums und der Partei Irakischer Nationalkongress (INC). Tikriti sei zusammen mit seinem Vater in Bagdad zum Büro des INC gefahren, sagte ein Sprecher der Partei.

Wo sich Saddam Hussein und seine Söhne aufhalten, bleibt jedoch weiterhin genauso ein Rätsel wie der Verbleib angeblicher Massenvernichtungswaffen. Die USA und Großbritannien hatten den Waffengang gegen den Irak mit dem Besitz solcher verbotenen Waffen begründet.

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