Mindestens 187 Tote bei Attentaten auf indonesischer Ferieninsel
Anschlag auf Bali trifft ganz Südostasien

Bei der Suche nach den Hintermännern der Bombenanschläge auf der Ferieninsel Bali sind die Verantwortlichen zwar bisher nicht weit vorangekommen, vermutet wird trotzdem "ein terroristischer Hintergrund". Für viele Sicherheitsanalytiker kommen die Anschläge allerdings nicht überraschend. Die gesamte Region gilt als unruhig.

HB/dp/HB JAKARTA. Bei den schlimmsten Bombenanschlägen in der Geschichte Indonesiens sind in der Nacht zum Sonntag auf der Ferieninsel Bali mindestens 187 Menschen ums Leben gekommen. Die indonesische Präsidentin Megawati Sukarnoputri sagte, bei dem "schändlichen Anschlag" seien mindestens 180 Menschen getötet und 332 verletzt worden.

Bei den meisten Opfern handelt es sich um junge Australier und andere westliche Touristen. Die Hintergründe der Anschläge waren völlig unklar, doch wird mehr und mehr von einem noch nicht näher definierten "terroristischen Hintergrund" ausgegangen. Indonesien verstärkte inzwischen mit Polizei- und Armeeeinheiten die Sicherheitsmaßnahmen von Öl- und Gas-Förderanlagen sowie Bergwerken im gesamten Inselreich.

Unter den Verletzten sind dem Berliner Auswärtigen Amt zufolge sieben Deutsche, ein deutscher Urlauber wurde noch vermisst. Das Amt empfahl, Bali bis auf weiteres zu meiden.

Zwei selbst gefertigte Sprengsätze waren kurz nach 23 Uhr Ortszeit fast zeitgleich vor zwei Nachtlokalen in Kuta Beach auf der Insel detoniert, die besonders bei australischen und japanischen Touristen beliebt ist. Eine dritte Bombe explodierte in der Nähe eines US-Konsulats.

Indonesien, die USA, Großbritannien und Australien verurteilten den Anschlag. Bundesaußenminister Joschka Fischer äußerte sich erschüttert und schockiert. Die US-Botschaft in der indonesischen Hauptstadt Jakarta teilte mit, sie überprüfe ihre personelle Stärke. Nach US-Angaben gibt es Hinweise, dass ein Netz islamischer Extremisten mit dem Moslem-Geistlichen Abu Baker Bashir als zentraler Figur Verbindungen zur El Kaida unterhält. Die USA und Singapur haben die Festnahme Bashirs gefordert. Indonesien hat dagegen erklärt, es gebe keine Beweise für eine Verbindung Bashirs zur Extremisten-Gruppe Jemaah Islamiah.

Bislang hat sich noch keine Organisation zu dem Bombenanschlag auf Bali bekannt. Dennoch zeigen erste Reaktionen in der südostasiatisch-pazifischen Region, dass das Verbrechen als ein "Akt des Terrorismus" eingestuft wird. In diesem Sinne äußerte sich der australische Außenminister Alexander Downer gegenüber dem amerikanischen Nachrichtensender CNN. Sicherheitsanalysten in Südostasien sehen sich in ihren Warnungen vor terroristischen Anschlägen durch die Anschläge auf der Ferieninsel eher bestätigt. "Das sollte nicht als Überraschung kommen", erklärte Andrew Tan, Sicherheitsanalyst am Institut für Verteidigung und Strategische Studien (IDFSS) in Singapur. Die "größte Überraschung" sei für ihn, "dass es so lange gedauert hat mit einem Angriff auf ein Ziel westlicher Interessen".

Auch wenn noch keine Beweise vorliegen, konzentrieren sich die Vermutungen in Jakarta auf einen radikal-islamistischen Terrorhintergrund des Verbrechens. Allein in den vergangenen drei Wochen hat es in Südostasien insgesamt sieben Bombenanschläge gegeben. Indonesien ist die größte Muslimnation der Welt - etwa 85 % der 220 Millionen Indonesier sind Muslime - und gilt im internationalen Kampf gegen den Terrorismus als ein Schwachpunkt.

Malaysia und Singapur drängen die indonesische Präsidentin Megawati Sukarnoputri seit langem und mit wachsender Ungeduld, gegen die Gruppe Jemaah Islamiah vorzugehen. Deren Anführer, der Religionsgelehrte Abu Bakar Bashir, ist schon seit längerem ins Visier vor allem des singapurischen Geheimdienstes geraten. Anfang dieses Jahres hatten die Sicherheitsbehörden in Singapur ein Untergrund-Netzwerk ausgehoben, das in eindeutigen Beziehungen zur Terroristengruppe El Kaida stand. Das Netzwerk reichte von Singapur bis nach Malaysia, Indonesien und in die Philippinen hinein und war mit anderen separatistisch-terroristischen Gruppen, die teils eine lange Geschichte haben, in den drei Ländern verknüpft. So hatten El Kaida-Terroristen Mitglieder der Banditenorganisation Abu Sayyaf im Süden der Philippinen geschult.

Sicherheitsanalysten gilt Südostasien nach dem Nahen Osten als die zweitgrößte potenzielle Brutstätte islamistisch motivierten Terrors. Erst in der vergangenen Woche vertrat der singapurische Premierminister Goh Chock Tong auf dem Ostasiengipfel des Weltwirtschaftsforums (WEF) in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur die Meinung, dass der nächste große Terroranschlag nach dem 11. September in Südostasien stattfinden werde. Im Brennpunkt der Besorgnisse steht Indonesien.

Nach dem 11. September hatte Megawati als einer der ersten muslimischen Politiker und Präsidentin der weltgrößten Muslimnation sofort US-Präsident George W. Bush ihre Unterstützung zugesagt. Dennoch vermied es Megawati in der Innenpolitik immer wieder, radikal-muslimische Gewaltrhetorik im Namen des Staates zurückzuweisen.

Quelle: Handelsblatt

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