Mindestens 23 russische Soldaten bei Angriffen getötet
Tschetschenische Rebellen starten größte Offensive seit einem Jahr

Bei der größten Offensive seit mehr als einem Jahr haben tschetschenische Rebellen am Montag mindestens 23 russische Soldaten getötet und Gudermes, die zweitgrößte Stadt der abtrünnigen Kaukaususrepublik eingenommen.

afp MOSKAU. 300 Unabhängigkeitskämpfer stürmten nach Angaben des russischen Innenministers Boris Grislow in einem Überraschungsangriff Gudermes, wobei zehn Soldaten getötet und acht weitere verletzt wurden. In einem zweiten Angriff nahe der Hauptstadt Grosny schossen Rebellen über dem Hauptquartier der russischen Armee einen Armeehubschrauber ab. Alle 13 Insassen, darunter auch zwei hohe Generäle, starben, wie das Militär mitteilte. Nach Angaben des Rebellenführers Mowladi Ugudow wurden zudem bei einem Selbstmordanschlag in Argun rund ein Dutzend Soldaten getötet. Die Armee bestätigte den Angriff; außer dem Attentäter sei jedoch niemand zu Schaden gekommen.

Der russische Inlands-Geheimdienst FSB sprach von 400 tschetschenischen Kämpfern, die sich in Gudermes sechs Stunden lang heftige Gefechte mit russischen Soldaten und der lokalen Polizei lieferten. Unter den Angreifern waren demnach auch zahlreiche Einwohner der Stadt, wie die Nachrichtenagentur Ria Nowosti meldete. Der Oberbefehlshaber der russischen Truppen sagte im Fernsehsender ORT, Armee und Polizei hätten rund 400 Menschen unter dem Verdacht festgenommen, mit den Rebellen zusammenzuarbeiten.

Lage ist weiter unklar

Die Lage in Gudermes blieb auch am Abend unklar. Nach Angaben der pro-russischen Verwaltung hatte die russische Armee die Stadt bereits am Mittag wieder unter Kontrolle. Gudermes sei vollständig abgeriegelt worden. Der radikale Rebellenführer Mowladi Ugudow behauptete dagegen, allein eine Gruppe russischer Soldaten, die sich in einem Regierungsgebäude verschanzt hätte, leiste noch Widerstand. Elf Rebellen seien bei den Gefechten getötet worden. Der von Russland nicht anerkannte tschetschenische Präsident Aslan Maschadow versicherte, Gudermes sowie die Ortschaft Noschai-Jurt im Südosten des Landes seien unter vollständiger Kontrolle der Rebellen.

Die lokale Polizei in Argun bestätigte zwar einen Bombenanschlag auf das Haus des pro-russischen Verwalters. Dabei sei jedoch lediglich der Selbstmordattentäter umgekommen. In der Hauptstadt Grosny wurden die russischen Truppen in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Die gesamte Stadt wurde für den Verkehr gesperrt, während Soldaten in den Außenbezirken bereits damit begannen, in Erwartung weiterer Angriffe Gräben auszuheben.

In den vergangenen Wochen hatten die Rebellen immer wieder Angriffe auf Armeeposten in der südtschetschenischen Bergregion geführt, größere Orte und Städte jedoch gemieden. Im Juli vergangenen Jahres waren bei einer Angriffsserie auf das Militär rund 40 russische Soldaten getötet worden. Die russische Armee war am 1. Oktober 1999 in die Kaukasusrepublik einmarschiert und hatte seither den größten Teil Tschetscheniens unter ihre Kontrolle gebracht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%