Mindestens 79 Menschen bei Unglück getötet
Ermittler suchen nach Ursache für Boeing-Absturz in Taiwan

afp TAIWAN. Einen Tag nach dem Absturz eines Jumbo-Jets der Singapore Airlines in Taiwan haben Experten weiter nach der Unglücksursache geforscht. Der taiwanische Fernsehsender TVBS berichtete, die Maschine habe möglicherweise irrtümlich eine wegen Reparaturarbeiten geschlossene Startbahn benutzt und sei mit dort stehendem Gerät kollidiert. Hingegen betonte der Vize-Präsident der Luftfahrtgesellschaft, Rick Clements, dafür lägen keine Beweise vor. Clements bestätigte jedoch, dass einer der Piloten, der das Unglück überlebte, vom Zusammenstoß mit einem Objekt berichtete. Bei dem Absturz am späten Dienstagabend kamen mindestens 79 Menschen ums Leben. Die Boeing 747 mit 179 Menschen an Bord war kurz nach dem Abheben auf die Startbahn gestürzt und explodiert. Von den Insassen wurden 56 verletzt, 44 blieben unversehrt.

Die Untersuchungen zur Absturzursache wurden am Mittwoch fortgesetzt. Die Ermittler vernahmen drei Piloten und prüften Aufzeichnungen des Funkverkehrs zwischen der Cockpit-Besatzung und dem Tower. Die Behörden hörten Überlebende an und sammelten andere Zeugenaussagen. Aufschluss erhofften sich die Ermittler unter anderem von den beiden Flugschreibern, die am Morgen gefunden wurden, nachdem bereits am Dienstag fälschlicherweise von ihrem Fund berichtet worden war. Bis Freitag sollten auch Ermittler aus den USA und Singapur in Taiwan ihre Arbeit aufnehmen.

Der Sender TVBS zeigte Bilder von Betonklötzen und Baugerät, die auf der gesperrten Startbahn herumstanden. Ein Bagger trug dabei deutliche Spuren eines Zusammenstoßes. Ein Ermittler der taiwanischen Flugsicherheitsbehörde sagte dem Sender, die Möglichkeit der Verwechslung der Piste könne nicht ausgeschlossen werden. Zwei der Startbahnen auf dem Flughafen der Hauptstadt Taipeh verlaufen parallel zueinander, eine davon wird derzeit überholt und ist daher gesperrt. Clements wies darauf hin, dass der 48-jährige malaysische Pilot im Oktober wiederholt nach Taipeh geflogen war und den Flughafen gut kannte.

Taifun als Absturzursache ausgeschlossen

Der über Taiwan hinwegziehende Taifun wurde inzwischen als Absturzursache ausgeschlossen. Trotz des Wirbelsturms seien die Startbedingungen regulär gewesen, sagte der Leiter der örtlichen Luftfahrtbehörde. Der Taifun "Xangsane" fegte mit Windgeschwindigkeiten bis zu 120 Stundenkilometern über die Insel hinweg.

Taiwans Präsident Chen Shui-shui traf am Flughafen mit Angehörigen zusammen, die die Todesopfer identifizieren sollten. Er sprach den Familien sein Beileid aus. Singapore Airlines kündigte an, jeder Familie umgerechnet annähernd 60 000 Mark Soforthilfe zahlen zu wollen. Bei dem Absturz starben 76 Menschen noch am Unglücksort. Viele Leichen waren bis zu Unkenntlichkeit verbrannt. Drei weitere Menschen, darunter eine schwangere Frau, erlagen im Krankenhaus ihren Verletzungen. Nach Angaben von Singapore Airlines befand sich auch ein Deutscher an Bord der Unglücksmaschine. Die meisten der 159 Fluggäste kamen aus Taiwan und den USA, außerdem befanden sich 20 Besatzungsmitglieder an Bord.

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