Mindestens drei Tote und Dutzende Verletzte
Selbstmordanschläge reißen Israel tiefer in Strudel der Gewalt

Zwei Selbstmordanschläge haben Israel am Freitag noch tiefer in den Strudel der Gewalt gerissen. Bei den Anschlägen im Gazastreifen und in der Nähe von Tel Aviv wurden drei palästinensische Attentäter getötet und mindestens 45 Israelis verletzt.

ap JERUSALEM. Die Attentate gehen auf das Konto der militanten Untergrundorganisationen Hamas und Islamischer Dschihad. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon machte den palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat indirekt verantwortlich.

In der Nähe des Busbahnhofs der Stadt Hadera nördlich von Tel Aviv sprengten sich zwei Selbstmordattentäter mit einem Auto in die Luft. Der Wagen fuhr nach Polizeiangaben neben einem israelischen Bus. Der Bus wurde bei der Explosion nur leicht beschädigt. 45 Insassen wurden zumeist leicht verletzt. Es war zunächst unklar, ob der Sprengsatz vorzeitig in die Luft ging oder von den Attentätern gezündet wurde. Neben dem Wrack des Autos lagen Leichenteile zweier Menschen, bei denen es sich laut Polizei vermutlich um die Attentäter handelte. Die Gruppe Islamischer Dschihad bekannte sich später zu dem Anschlag. Die zwei Attentäter stammen der Organisation zufolge aus Dschenin im Westjordanland.

Ein zweiter Selbstmordanschlag ereignete sich im Gazastreifen. Vor einem israelischen Armeeposten explodierte ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen. Die radikalislamische Hamas-Bewegung erklärte, es habe sich um einen Anschlag zum ersten Jahrestag des israelischen Rückzugs aus Südlibanon gehandelt. Unter den israelischen Soldaten, die den eine Blockade durchbrechenden palästinensischen Lastwagen unter Beschuss genommen hatten, gab es nach Militärangaben keine Verletzten.

Anschlag wurde gefilmt

Die Hamas erklärte auf Flugblättern, die Explosion sei gefilmt worden, und die Aufnahmen würden veröffentlicht. Auf diese Praxis griff auch die libanesische Untergrundorganisation Hisbollah wiederholt zurück, die die israelischen Truppen während ihrer 18 Jahre andauernden Besatzung Südlibanons bekämpfte. In den vergangenen Monaten verfestigten sich die Beziehungen zwischen beiden Gruppen. "Wir senden unsere Grüße an die Brüder der Hisbollah, und wir bekräftigen unsere Glückwünsche zum ersten Jahrestag der Befreiung", hieß es auf den Flugblättern.

Der Lastwagen mit der Sprengstoffladung habe eine Sperre umfahren und sei mit hoher Geschwindigkeit auf die Kreuzung zugefahren, teilte die israelische Armee mit. Soldaten hätten den Wagen unter Beschuss genommen, und er sei wenige Meter von dem Armeeposten entfernt detoniert. Nach der Explosion hätten palästinensische Polizisten auf die israelischen Soldaten geschossen.

Als Reaktion auf die Detonation feuerten israelische Panzer Granaten auf eine palästinensische Polizeiwache, wie die palästinensische Polizei mitteilte. Dabei seien drei Polizisten von Granatsplittern verletzt worden. Zwei Panzer und sieben Armeefahrzeuge drangen auf palästinensisch verwaltetes Gebiet vor.

Im südlichen Gazastreifen beschossen israelische Soldaten nach Angaben der palästinensischen Polizei und von Augenzeugen das Flüchtlingslager Rafah.

Scharon erklärte, Arafat habe nichts getan, um die Attentäter zu stoppen. Er gebe der palästinensischen Autonomiebehörde, die hinter den Terroranschlägen stecke, "nur noch ein paar Tage" Zeit, um ein Ende der Attentate anzuordnen.

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