Mindestens fünf Palästinenser getötet
Israelische Armee rückt mit Panzern in Hebron ein

Ein israelischer Panzervorstoß nach Hebron hat am Freitag die Hoffnung auf eine Beruhigung im Nahostkonflikt zunichte gemacht. Israelische Soldaten und Panzer rückten im Morgengrauen in die Stadt im Westjordanland ein und lieferten sich Feuergefechte mit Palästinensern.

ap HEBRON. Mindestens fünf Palästinenser wurden getötet und zwölf weitere verletzt. Am Donnerstag hatte ein als israelischer Soldat verkleideter Palästinenser drei Israelis getötet und 14 weitere verletzt. Der Attentäter wurde von Sicherheitskräften erschossen.

Die israelischen Streitkräfte nahmen zwei auf Hügeln gelegene Viertel Hebrons ein, von denen aus in den vergangenen Tagen Israelis beschossen worden sein sollen. Sie vertrieben nach Augenzeugenberichten die Bewohner aus drei Häusern und brachten dort militärische Ausrüstung unter.

In Hebron leben etwa 500 jüdische Siedler und 130 000 Araber. Außerdem ist die Stadt ein wichtiger Pilgerort für gläubige Juden, da sich hier die Gräber der Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob befinden sollen. Dort wurden am Mittwoch zwei Frauen von Gewehrkugeln verwundet.

Am Freitag wurde im Westjordanland ein Israeli von einem Palästinenser in der Nähe einer jüdischen Siedlung bei Tulkarem erschossen, wie die Armee mitteilte.

Ein baldiges Ende des Vorstoßes nach Hebron zeichnete sich nicht ab. Die israelische Militärführung erklärte, die Soldaten würden eine "begrenzte Zeit" bleiben, bis ihre Mission erfüllt sei. Bereits am 23. August waren israelische Truppen auf den Hügel vorgerückt und hatten zwei palästinensische Gebäude zerstört. Am Donnerstag hatte der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon wegen der anhaltenden Gewalt praktisch alle Bemühungen um eine Waffenruhe gestoppt. Israel werde alle notwendigen Aktionen ergreifen, um seine Bevölkerung zu schützen, sagte Scharon. "Von jetzt an zählen wir nur noch auf uns selbst."

Scharon kündigte an, seine Regierung werde unnachsichtig gegen Terroristen vorgehen und keine Versuche akzeptieren, arabische Staaten auf Kosten Israels zu beschwichtigen. Dabei zog er einen Vergleich zur Appeasement-Politik westlicher Staaten in ihren Beziehungen zur Hitler-Regierung in Deutschland. Er wandte sich an die USA mit der Aufforderung: "Wiederholt nicht den schrecklichen Fehler von 1938, als die aufgeklärten europäischen Demokratien beschlossen, die Tschechoslowakei für eine vorübergehende passende Lösung zu opfern." Scharon fügte hinzu: "Israel wird nicht die Tschechoslowakei sein. Israel wird den Terrorismus bekämpfen.

Abbas Saki, einer der führenden Palästinenser in Hebron, verurteilte den israelischen Panzersvorstoß. Er kündigte Widerstand an und rief die internationale Gemeinschaft auf, das palästinensische Volk zu beschützen.

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