Mindestens jeder zehnte professionelle Anleger betroffen
Fondsmanager suchen ihr Glück in den Sternen

Auf die schwierige Berechnung der Finanzmarkt-Entwicklung reagieren einige Investoren mit dem Blick zum Himmel: Astro-Ökonomie lautet für manche Anleger das kuriose Zauberwort zum Glück. Unter dem Begriff werden Methoden zusammengefasst, mit Hilfe der Sternendeutung Preise und Kurse zu berechnen.

rtr LONDON. Schon jetzt würden darauf viele Händler, Fondsmanager und Investoren schwören, sagt der Anlageberater Henry Weingarten. Der Direktor der Astro Fondsgesellschaft in New York verwaltet mit Hilfe der Sterne für seine Klienten ein Vermögen im Wert von etwa fünf Mill. Dollar (knapp elf Mill. DM).

Dabei verbindet er astrologische Vorhersagen mit traditionellen technischen Analysen. "Etwa 50 % von dem, was ich mache, ist Astrologie", sagt Weingarten. Bei der Astro- Ökonomie wird für die Berechnung der Märkte die Stellung von Sonne, Mond und Planeten zur Hilfe genommen. Weingarten erstellt Horoskope von Unternehmen, Währungen und Aktienmärkten auf der Grundlage ihres ersten Handelstages. Er hat nach eigenen Angaben den Crash der Tokioer Börse 1990 ebenso vorhergesagt wie die Asienkrise sieben Jahre später. Ihm zufolge nutzt mindestens jeder zehnte professionelle Anleger die Berechnung vom Lauf der Sterne zur Bestätigung konventioneller Marktanalysen.

Viele Reaktionen mit dem Verstand allein nicht zu erklären

Doch werden die Kurse tatsächlich vom Himmel beeinflussen? Der Anlageberater David Simpson ist sich da sicher. So würden etwa Sonne und Mond nicht nur die Gezeiten beinflussen. "Diese magnetischen Anziehungkräfte führen im menschlichen Körper zu chemischen und neurologischen Reaktionen, die die Schwarz-Weiß-Wahrnehmung verändern." Astrologie könne daher der Schlüssel zur Erklärung irrationalen Anleger-Verhaltens sein. "Menschen halten einen Tag eine Aktie für günstig und an einem anderen für teuer, obwohl der Preis derselbe ist." Viele Reaktionen seien mit dem Verstand allein nicht zu erklären. Da müsse noch etwas anderes eine Rolle spielen, meint Simpson.

Weingarten weist darauf hin, dass allein wegen des Glaubens mancher Anleger an die Kraft der Sterne diese tatsächlich eine Bedeutung für die Kurse haben. "Ob du an Astrologie glaubst oder nicht, sie beeinflusst die Märkte", sagt er. Es gebe in Europa, den USA, Indien und Hongkong bedeutende Fondsmanager, die der Astrologie folgten. Daher habe die auch einen Einfluss auf die Märkte.

Rolle der Astrologie nimmt zu

Ein auf Finanzprognosen spezialisierter Wissenschaftler an der Universität von London meint das die Astrologie am dortigen Finanzplatz eine größere Rolle spielt als angenommen. "Es gibt viele Händler, die stärker auf bestimmte Aspekte der Astrologie zurückgreifen, als sie zugeben würden." Es zeuge zudem von mangelnden Verständnis, wenn man die Astro-Ökonomie als totalen Quatsch abtue, wenngleich natürlich wegen der Stellung der Planeten kein Markt zusammenbreche. Die Astro-Ökonomie beinhalte keine direktes Handlungskonzept, sondern berechne eine gewisse Wahrscheinlichkeit für künftige Geschehnisse. Keine empirische Forschungen könne ihre Zuverlässigkeit klar beweisen. Dies gelte für die Astro-Ökonomie ebenso wie für die klassischen Methoden.

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