Mindestens sieben Tote und 35 Verletzte
Selbstmordattentäter richtet neues Blutbad in Jerusalem an

Zum zweiten Mal in zwei Tagen hat ein palästinensischer Selbstmordattentäter ein Blutbad in Jerusalem angerichtet und am Mittwochabend mindestens sieben Menschen getötet. Etwa 35 weitere Personen wurden laut Polizei zum Teil schwer verletzt.

wiwo/AP JERUSALEM. Die Explosion ereignete sich an einer Bushaltestelle im Norden der Stadt. Zur Tat bekannten sich die Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden. Israel reagierte umgehend: Drei Stunden später griffen Kampfhubschrauber Ziele im Gazastreifen an, wie das Fernsehen berichtete. Nach palästinensischen Angaben wurde eine Stahlfabrik in Chan Junis und möglicherweise auch das Flüchtlingslager Dschebalaja getroffen. Die israelische Armee nahm zunächst keine Stellung.

Am Dienstag hatte ein palästinensischer Selbstmordattentäter in Jerusalem 19 Menschen in einem Bus getötet. Es war der blutigste Anschlag in der Stadt seit über sechs Jahren. Die israelische Regierung hatte daraufhin die schrittweise Wiederbesetzung palästinensischer Autonomiegebiete angekündigt. Diese werde mit jedem Attentat ausgeweitet und so lange andauern wie der Terror, hieß es als Reaktion auf das Attentat vom Tag zuvor.

Die Bushaltestelle in dem Viertel French Hill, das zum 1967 eroberten Teil Jerusalems gehört, wurde bei der Explosion völlig zerstört. Auf dem Boden lagen mehrere abgerissene Körperteile und die Überreste eines Kinderwagens. Laut Polizei stieg der Attentäter aus einem roten Audi und wurde noch von zwei Polizisten verfolgt, bevor er den Sprengsatz zündete. Einer der beiden Beamten sei schwer verletzt worden, sagte der Jerusalemer Polizeichef Mickey Levi. Das Auto raste davon und verschwand im arabischen Ostteil der Stadt. Ein israelischer Regierungssprecher machte Arafat persönlich für die Tat verantwortlich und kündigte weitere Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung an.

Israelische Truppen rückten im Westjordanland ein

Führende Palästinenser warnten, dass die von der israelischen Regierung verkündeten Maßnahmen nur zu neuem Blutvergießen führen würden. Israelische Truppen rückten erneut in drei Städte im Westjordanland ein. Die Wiederbesetzung autonomer Gebiete werde schon in Kürze erfolgen, hieß es aus dem Büro von Ministerpräsident Ariel Scharon. Regierungssprecher Arieh Mekel erklärte, der palästinensische Präsident Jassir Arafat solle auf diese Weise gezwungen werden, gegen den Terror vorzugehen. Der palästinensische Sicherheitschef im Westjordanland, Dschibril Radschub, erklärte, unter diesen Bedingungen sei eine Zusammenarbeit mit Israel bei der Festnahme mutmaßlicher Extremisten unmöglich.

Nach dem Selbstmordanschlag vom Dienstag rückten israelische Truppen abermals in Dschenin ein und schnitten die Stadt vom angrenzenden Flüchtlingslager ab. Es wurde ein Ausgehverbot verhängt. Augenzeugen zufolge wurden Männer zwischen 15 und 45 Jahren zum Verhör zu einem nahe gelegenen Militärstützpunkt abgeführt. Später drangen Panzer und Soldaten in Nablus ein, wo nach Armeeangaben drei Verdächtige festgenommen wurden. Auch in Kalkilja suchten Truppen nach mutmaßlichen Extremisten.

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