Mindestens vier Tote bei antiamerikanischen Demonstrationen in Pakistan
Nordallianz marschiert in Masar-i-Scharif ein

Nach schweren Bombardierungen der US- Luftwaffe ist die oppositionelle Nordallianz am Freitag in die strategisch wichtige nordafghanische Stadt Masar-i-Scharif einmarschiert.

Reuters/dpa ISLAMABAD. Nach einer von den USA unterstützen Großoffensive im Norden Afghanistans haben Anti-Taliban-Kämpfer am Freitag eigenen Angaben zufolge die strategisch wichtige Stadt Masar-i-Scharif eingenommen. "Wir haben die vollständige Kontrolle über Masar-i-Scharif", sagte General Abdul Raschid Dostum einem türkischen Nachrichtensender. Die Einnahme der Stadt wäre der erste größere Erfolg der Opposition seit Beginn der US-Luftangriffe am 7. Oktober.

Das US-Verteidigungsministerium teilte mit, es könne die Angaben zunächst nicht bestätigen. Eine Sprecherin bezeichnete die Situation vor Ort jedoch als "ermutigend". Aus Taliban-Kreisen gab es widersprüchliche Darstellungen über die Lage.

"Ich spreche mit ihnen von Masar-i-Scharif aus", sagte Dostum der türkischen Station des US-Nachrichtensenders CNN. Bei dem Vormarsch seien 28 seiner Soldaten gefallen, mehr als 30 seien verletzt worden. Seine Kämpfer hätten mehr als 200 Gefangene genommen. Masar-i-Scharif liegt etwa 35 Kilometer südlich der afghanischen Grenze zu Usbekistan und an wichtigen Nachschubwegen für die Truppen beider Seiten.

Die Soldaten der Taliban seien auf der Flucht in Richtung der Hauptstadt Kabul, berichtete ein Sprecher der Nordallianz Reuters telefonisch. Die afghanische Nachrichtenagentur AIP meldete, nicht näher bezeichnete Taliban-Kreise hätten eingeräumt, dass Nordallianz-Kämpfer in die südlichen Vororte Masar-i-Scharifs vorgedrungen seien. Der TV-Sender El Dschasira berichtete, die Taliban bestritten, die Kontrolle über die Stadt verloren zu haben.

Die Sprecherin des US-Verteidigungsministeriums sagte, die Lage bei Masar-i-Scharif sei "im Fluss". Nach einer Einnahme der Stadt sei ein Versorgungsweg nach Usbekistan geöffnet, über den etwa humanitäre Hilfe nach Afghanistan gelangen könne.

Der Offensive der Nordallianz ging in der Nacht zum Freitag eine der heftigsten Angriffswellen der USA auf Stellungen der Taliban-Truppen bei Masar-i-Scharif voraus. Mindestens 40 Bomben seien im Gebiet der Taliban-Stellungen eingeschlagen, berichteten Augenzeugen. Auch in der Hauptstadt Kabul detonierten mehrere Bomben.

An der Front nördlich von Kabul sammelte sich unterdessen ein Großaufgebot an Soldaten der Nordallianz mit Panzern. Ein Kameramann von Reuters sah rund 800 Soldaten, vier Panzer und 40 Artillerie-Geschütze. US-Flugzeuge bombardierten unterdessen Stellungen der Einheiten der regierenden Taliban unweit des Flughafens Bagram nördlich Kabuls.

In Pakistan gingen am Freitag erneut hunderte Menschen auf die Straße, um gegen die Angriffe auf das Nachbarland zu protestieren. In Shadan Lund in der Provinz Punjab blockierten dabei rund tausend Demonstranten einen Zug. Die Polizei löste die Blockade auf und setzte dabei auch eigenen Angaben zufolge Schusswaffen ein. Drei Demonstranten seien sofort getötet worden, ein vierter sei seinen Verletzungen später im Krankenhaus erlegen, sagte Innenminister Moinuddin Haider in Karatschi. Die oppositionelle Partei Jamiat Ulema-i-Islam (JUI) teilte mit, sie habe vier Polizisten als Geiseln genommen, um eine Untersuchung des Polizeieinsatzes und eine Verfolgung der Verantwortlichen zu erzwingen.

Seit den Terroranschlägen vom 11. September in den USA sind etwa 135 000 Menschen aus Afghanistan nach Pakistan geflohen, wo sie sich illegal aufhalten. Offiziell sind die Grenzen geschlossen. Von den erwarteten 1,5 Mill. Flüchtlingen haben bisher etwa 400 000 aus Angst vor Kriegshandlungen ihre Heimat verlassen. Das teilte das Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Genf mit. Das UNHCR hat für die Flüchtlinge in Pakistan elf neue Lager errichtet.

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