Mindestens zehn Tote
Erster schwerer Herbststurm rast über Europa

Bei den ersten schweren Herbststürmen des Jahres sind in Europa mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. Vielerorts sprachen die Behörden von lebensbedrohlichen Gefahren und warnten davor, die Häuser zu verlassen oder sich unter Bäumen aufzuhalten.

HB/dpa OFFENBACH. In Schleswig-Holstein wurde ein 46-jähriger Landwirt von einem Blitz erschlagen, in Österreich wurde ein älteres Ehepaar von einem umstürzenden Baum getroffen. In Bocholt am Niederrhein stürzte ein Baum auf das Auto einer niederländischen Familie, dabei wurde die Mutter getötet, der Vater und ein Kind wurden schwer verletzt. In Großbritannien starben durch den Orkan mindestens zwei Kinder und drei Erwachsene, in den Niederlanden wurde ein Mensch von einem Baum erschlagen.

Der Orkan, dessen Ausläufer bereits am Samstag im Süden und Norden Deutschlands schwere Schäden anrichtete, erreichte zum Teil Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 150 Stundenkilometern. Dabei verwüstete er ganze Landstriche: Bäume und Strommasten stürzten um, Gebäude wurden beschädigt, starke Regenfälle überfluteten Straßen und Keller. In Großbritannien kam es zu massiven Behinderungen im Bahn - und Flugverkehr, die Stromversorgung brach teilweise zusammen, in den Niederlanden sprachen die Behörden von einer "lebensgefährlichen" Situation. Die Bürger wurden dringend aufgefordert, ihre Wohnungen nicht zu verlassen.

Am Sonntag sollte das Orkantief "Jeanett" über ganz Deutschland hinwegrasen. Zuerst erreichte der Sturm den Westen Deutschlands, in der Nacht zum Montag sollte er über Berlin und Brandenburg hinwegziehen. "Die Behörden rotieren", sagte ein Sprecher des Lagezentrums in Düsseldorf. Umgestürzte Bäume, herumfliegende Äste, Dachziegel und Plakatwände hielten die Rettungskräfte in Atem. In Baden-Württemberg warnte das Landwirtschaftsministerium vor Aufenthalten im Wald: Umherfliegende Äste und umstürzende Bäume bedeuteten Lebensgefahr. Auf dem Feldberg im Schwarzwald wurden Böen mit Spitzengeschwindigkeiten von 156 Stundenkilometern gemeldet.

In Großbritannien richtete der Sturm am Sonntag verheerende Schäden an. Ein spanischer Fischer wurde im Atlantik per Hubschrauber von seinem Schiff geborgen. Im Hafen von Portsmouth wurde eine Fregatte vom Wind gegen eine Fähre gedrückt. Nach Angaben des niederländischen Wetterdienstes war dies der schwerste Sturm seit 12 Jahren. Der Flugverkehr am Amsterdamer Flughafen Schipol und an den Londoner Flughäfen Gatwick und Heathrow wurde stark eingeschränkt, zahlreiche Flüge gestrichen. Auch der Zugverkehr wurde erheblich eingeschränkt.

Bereits am Samstag fegte ein Sturm über Bayern und Baden- Württemberg hinweg, die stärksten Böen wurden nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Samstag auf der 2964 Meter hohen Zugspitze gemessen. Dort jagte der Orkan mit bis zu 150 Kilometern pro Stunde über Deutschlands höchsten Berg. In Würzburg rissen in der Nacht zum Samstag heftige Böen die Turmspitze der barocken Neumünster Kirche weg. Die Trümmer bohrten sich in das Kirchendach. In Österreich kam ein 83-jähriger Mann und seine 69 Jahre alte Frau ums Leben, als sie bei einem Spaziergang von einem umstürzenden Baum getroffen wurden.

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