Mindestens zwei Tote und über 170 Verletzte
Schweres Erdbeben in Japan

Nach dem schweren Erdbeben in Japan mit zwei Toten und über 170 Verletzten haben am Sonntag starke Regenfälle die Aufräumarbeiten behindert. Die Erdstöße am Samstag in der Millionenstadt Hiroschima erreichten nach offiziellen Angaben die Stärke von 6,4 auf der Richterskala. Sie beschädigten 4 000 Gebäude, sechs davon stürzten komplett ein.

afp TOKIO. Eine 80-jährige Frau wurde in der 600 Kilometer westlich von Tokio gelegenen Hafenstadt unter den Trümmern ihres Hauses begraben. In Ehime auf der Nachbarinsel Shikoku erschlug ein herabfallender Balkonträger eine 50 Jahre alte Frau. Die Behörden befürchteten, dass durch die starken Regenfälle Erdrutsche ausgelöst werden. Das Beben war das folgenreichste seit der Katastrophe von Kobe 1995, bei dem mehr als 6 400 Menschen starben.

Über 30 000 Haushalte waren am Tag nach dem Erdbeben ohne fließendes Wasser. Mehrere Straßen blieben gesperrt. "Das Beben war so stark, dass Dachziegel durch die Gegend flogen und alle Gläser und Spiegel zerbrochen sind", erzählt die 63-jährige Hausfrau Hisako Ishii. Zwei Schüler wurden von einstürzenden Schulmauern getroffen und verletzt. Feuerwehrleute mussten elf Menschen aus steckengebliebenen Aufzügen befreien. Etwa 3 500 Zugreisende mussten die Nacht in den Waggons verbringen, weil ihre Züge liegen geblieben waren. Der Zugbetrieb wurde vorübergehend eingestellt. Am Sonntagmorgen nahm die Bahn ihren Verkehr nach Hiroschima wieder auf. Aus den zahlreichen Industriebetrieben der Region wurden keine größeren Schäden gemeldet. Sie konnten ihre Produktion nach kürzeren Unterbrechungen wieder aufnehmen.

Das Krisenreaktionszentrum in Hiroschima teilte mit, unter den Trümmern seien wahrscheinlich keine weiteren Toten begraben. Allerdings warnten die Behörden die Anwohner in der Nähe von Berghängen vor Erdrutschen. Ein Behördensprecher zeigte sich besorgt, weil nach den Erdstößen und den Regenfällen der Nacht das Erdreich gelockert sei. In den ersten Stunden nach dem Hauptbeben am Samstag um 6.30 Uhr MEZ wurden 15 Nachbeben gezählt.

Krisenstab einberufen

Nach Angaben des Tokioter Meteorologischen Amtes richtete das Beben keine schwereren Schäden an, weil sein Epizentrum gut 50 Kilometer unter dem Meeresboden vor Hiroschima lag. Bei der Erdbebenkatastophe von Kobe lag es nur in 13 Kilometern Tiefe.

Japans Ministerpräsident Yoshiro Mori berief eine halbe Stunde nach dem Beben einen Krisenstab ein. Im Büro des Regierungschefs wurde 1995 ein ständiges Krisenzentrum eingerichtet, nachdem die Regierung damals wegen ihres unkoordinierten Krisenmanagements in die Kritik geraten war.

Der Inselstaat wird immer wieder von schweren Beben erschüttert. Erst am Freitag hatte ein Erdstoß der Stärke 5,8 den Norden Japans erschüttert. Das Epizentrum dieses Bebens lag vor der Küste der Insel Hokkaido, rund 900 Kilometer nördlich der Hauptstadt. Im Oktober vergangenen Jahres erschütterte ein Beben der Stärke 7,3 den Südwesten Japans. Getötet wurde dabei niemand. Wegen der in letzter Zeit verstärkten tektonischen Aktivität in Westjapan prüfen Experten derzeit die Möglichkeit eines Ausbruchs des Fujijama. Zuletzt war der Vulkan bei Tokio 1707 ausgebrochen.

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