Minengesellschaften wollen neue Anlegerkreise erschließen
Analysten empfehlen: Gold ins Depot

Nach einhelliger Ansicht vieler Experten wird der Goldpreis weiter steigen. Anleger sollten daher das Edelmetall ihrem Depot beimischen, raten sie. Analysten empfehlen insbesondere die Aktien von Goldminen-Gesellschaften. Deren Chefs rühren gerade kräftig die Werbetrommel für die Goldanlage.

FRANKFURT/M. Es ist nicht einfach nur ein Ring. Es ist der Ring der Macht aus dem Film "Der Herr der Ringe". Für Bernhard Swanepoel, Vorstandsvorsitzender der Harmony Gold Mining, ist der Ring zum Kinostreifen, den seine Gesellschaft exklusiv verkauft, aber weitaus mehr als eine Marketing-Idee. Der Reiz liege darin, dass er "Gold für junge Menschen interessant mache". Eine neue Generation werde so an Gold und Goldprodukte herangeführt, sagte er dem Handelsblatt am Rande des "Global Gold, Diamonds and Precious Metals Forum" in Frankfurt.

Die Werbung für Gold kommt nicht von ungefähr. Evy Hambro, Sector Fund Manager bei Merrill Lynch Investment Managers, hat beobachtet, dass Gold lange unattraktiv war. "Niemand wollte Gold", als die Bullen an den Kapitalmärkten das Sagen hatten. Denn Gold entwickele sich positiv, wenn andere Vermögensanlagen schlecht abschneiden, erklärte Hambro. Doch spätestens seit den Terroranschlägen in New York haben einige Anleger das Gold wieder entdeckt. Der Preis hat sich seither deutlich erholt, liegt aber mit rund 320 $ je Feinunze noch weit unter früheren Höchstständen.

Es müssen also neue Investoren für Gold begeistert werden. Dies unterstrich auch Ian Cockerill, der Vorstandsvorsitzende von Gold Fields. "Dem Anleger muss klar werden, dass langfristig ein Anteil Gold in sein Portfolio gehört", sagte Cockerill dem Handelsblatt. Die Investoren könnten auch die Chance verpassen, von einem steigenden Goldpreis zu profitieren. Er ist überzeugt: "Der Goldpreis ist nach wie vor unterbewertet".

Wie andere Experten auf dem Forum sieht auch der Gold-Fields-Chef zahlreiche Faktoren, die für einen Anstieg des Goldpreises sprechen. Dazu zählen neben dem schrumpfenden Minen-Angebot und der Unsicherheit an den Welt-Finanzmärkten vor allem die - allgemein erwartete - Schwäche des US-Dollars und die Verringerung des Hedgings der Minengesellschaften. Bei Hedging-Transaktionen verkaufen Minen einen Teil des noch im Boden befindlichen Goldes im Voraus, um sich Kapital zu beschaffen. So sichern sie sich nicht nur den aktuellen Goldpreis, sie erhalten in der Regel auch einen Aufschlag, der bei Derivaten in entfernteren Lieferterminen mit eingepreist ist.

Die Erwartungen halten sich allerdings noch im Rahmen. Sollte der Dollar nachhaltig unter Druck geraten und um rund 10 % fallen, hält Merrill- Experte Hambro einen Goldpreis von bis zu 365 $ für möglich. Kevin A. Crisp von Dresdner Kleinwort Wasserstein in London prognostiziert bis Ende 2002 rund 330 $. Mittelfristig könnte Gold dann auf 350 $ steigen. Anleger müssten dabei aber immer beachten, dass der Goldmarkt ein recht enges Handelssegment sei.

Auch Harmony-Chef Swanepoel sagt, dass der Goldmarkt zu Übertreibungen neigt. Häufig sei nicht ersichtlich, warum der Preis stark in die eine oder andere Richtung ausschlägt. Als Hauptgrund für diesjährigen Preisanstieg bei Gold sieht auch er den schwächeren US-Dollar. Swanepoel würde sogar einen Anstieg bis auf 400 $ nicht ausschließen, realistischer seien jedoch rund 350 $. Nach Angaben von Swanepoel und Cockerill wäre dieses Niveau aus Sicht der Goldminengesellschaften wünschenswert und zwar sowohl unter Kostenaspekten als auch unter Investitionsgesichtspunkten.

Anleger haben bei Gold inzwischen eine breite Palette an Investmentmöglichkeiten. Dies erläuterte Wolfgang Wrzesniok-Rossbach von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Dazu zählen neben der physischen Anlage Optionsscheine auf Gold, die besonders für spekulative Investoren geeignet seien. Darüber hinaus gibt es Zertifikate oder auch strukturierte Produkte. Als weitere Möglichkeit bieten sich natürlich Goldaktien an. Hambro gefällt dabei der Hebel, der das drei- bis fünffache gegenüber Gold ausmache, wobei der Diversifikations-Effekt im Portfolio gleichermaßen erreicht werde. Daneben lobte er die herausragende Position, die die Gesellschaften nach einer Phase aggressiver Konsolidierung und Rationalisierung erreicht hätten.

Den Optimismus für Gold spiegelt nach Einschätzung der Experten auch der anhaltende Verzicht auf das Hedging wider. Markus Mezger von der BW Bank erklärt den Abbau derartiger Aktivitäten unter anderem mit den niedrigen Zinsen. Zudem "lieben die Aktienmärkte die Non-Hedger", sagte Mezger. Dies hat auch Swanepoel beobachtet. Generell hätten die Papiere der Gesellschaften, die Gold nicht im Voraus verkauft haben, weitaus besser abgeschnitten als die Aktien anderer Minenfirmen. Die Harmony-Aktie ist trotz der jüngsten Rückschläge seit Jahresbeginn von rund 8 000 auf knapp 13 000 Rand gestiegen.

Auch das Gold-Fields-Papier hat deutlich zugelegt, von 6 000 Rand zu Jahresanfang auf heute rund 10 500 Rand. "Wir haben festgestellt, dass unsere Investoren direkt von einem steigenden Goldpreis profitieren wollen", sagt Cockerill. Dies könne nur erreicht werden, wenn die Goldfirma auf ein Hedging verzichtet. Bewegung in den Kurs brachten zudem immer wieder Spekulationen um eine Megafusion zwischen Gold Fields und Anglogold, den beiden Spitzenreitern am südafrikanischen Markt. Cockerill räumte zwar ein: "Wir sprechen über gemeinsame Geschäfte, aber wir müssen dafür nicht fusionieren." "Es gibt genug Raum für beide", sagt der Gold- Fields- Chef, der Kooperationen zwischen den beiden Goldschwergewichten gleichwohl nicht ausschließt.

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