Mineralölprodukte billig
Preisauftrieb in Deutschland schwächt sich ab

Im November hat sich die Lebenshaltung in Deutschland vor allem wegen günstigerer Mineralölprodukte unerwartet stark verbilligt. Der Europäischen Zentralbank (EZB) verschafft der weiterhin günstige Inflationsausblick für Deutschland nach Ansicht von Analysten Spielraum für die weithin erwartete Leitzinssenkung.

Reuters FRANKFURT. Die Verbraucherpreise seien im Monatsvergleich um 0,4 % gesunken und die vorläufige Jahresteuerungsrate damit auf 1,1 % von 1,3 % im Oktober zurückgegangen, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. "Wir haben derzeit keinerlei inflationäres Potenzial in Deutschland und das wird sich in naher Zukunft nicht ändern", sagte Stefan Mütze von der Helaba. Der Anstieg der Erzeuger- und Importpreise im Oktober bedeute nur eine langsame Stabilisierung. Deutschland drohe aber auch keine für die Wirtschaft schädliche Deflation.

Volkswirte hatten nach den Preisdaten aus den sechs Bundesländern, auf deren Basis das Bundesamt die vorläufige Jahresteuerung berechnet, bereits den von den Statistikern ermittelten vorläufigen Wert prognostiziert. Vor den Länderdaten hatten Analysten eine Jahresteuerung von 1,3 % wie im Oktober erwartet. In Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen gingen die Verbraucherpreise von Oktober auf November um 0,4 % zurück, in Brandenburg um 0,2 %. Die Jahresteuerung lag zwischen 0,5 % in Sachsen und 1,5 % in Bayern.

Inflationsdaten geben EZB Raum für Zinssenkung

"Der Inflationsausblick für Deutschland sieht sehr gut aus", sagte Uwe Angenendt von der ING BHF-Bank. "Die Zahlen sind wegen fallender Energiepreise günstiger als wir erwartet hatten." So sanken beispielsweise die Preise für Kraftstoffe in Sachsen um 4,8 % und für Heizöl um 10,0 % zum Oktober. Preisrückgänge zum Vormonat meldeten die Statistischen Landesämter auch bei Lebensmitteln. Im Jahresvergleich blieben Dienstleistungen in den meisten Ländern größter Preistreiber.

Der EZB geben die deutschen Preisdaten nach Ansicht von Analysten Luft für die weithin im Dezember erwartete Leitzinssenkung. Der Inflationsrückgang kompensiere den erwarteten Anstieg der Inflation in Italien, erklärten die Volkswirte von Morgan Stanley. Daher werde die Inflation in der Euro-Zone im November wohl auf 2,2 von 2,3 % im Oktober sinken. Wie die Mehrzahl der Volkswirte rechnet Mütze mit einer baldigen Zinssenkung. "Vermutlich wird die EZB die Zinsen im Dezember gleich um 50 Basispunkte senken. Es macht keinen Sinn, mit Trippelschritten anzufangen", sagte Mütze. Die EZB hat den Leitzins seit gut einem Jahr unverändert bei 3,25 % gelassen.

Nach Ansicht von Volkswirten haben die EZB-Ratsmitglieder zuletzt deutliche Signale für eine bevorstehende Zinssenkung gegeben. Am Montag bekräftige EZB-Direktoriumsmitglied Eugenio Domingo Solans seine Einschätzung, dass die Inflation in der Euro-Zone im Laufe des Jahres 2003 unter die EZB-Toleranzgrenze für Preisstabilität von 2,0 % sinken wird. Thomas Hueck von der HypoVereinsbank teilt diese Einschätzung. Allein schon positive Basiseffekte würden zu einem Rückgang der Inflationsraten führen, sagte der Volkswirt.

Auch der überraschende Anstieg der deutschen Erzeugerpreise im Oktober um 0,3 % zum Vormonat und zum Oktober 2001 bedeutet Mütze zufolge ebenso wenig wie die um 0,2 % zum Vorjahresmonat gestiegenen Einfuhrpreise zunehmenden Inflationsdruck. "Wir hatten lange größere Rückgänge, ein solcher Effekt läuft irgendwann aus." Die von Produzenten verlangten Preise stiegen erstmals in diesem Jahr zum Vorjahresmonat, die Einfuhrpreise legten sogar das erste Mal seit Juli 2001 zum Vorjahr zu. "Auf Grund der extrem schwachen Konjunktur in Deutschland haben die Unternehmen auch kaum die Gelegenheit, Kosten auf die Preise zu überwälzen", sagte Mütze.

Volkswirte: Keine Deflation in Sicht

Auch Hueck sah keine Inflationsgefahren in diesen Daten, erkannte darin aber vorhandene Überwälzungsspielräume. "Das passt nicht zu einer Deflation", sagte Hueck mit Blick auf die zuletzt aufgeflammte Diskussion um eine möglicherweise drohende dauerhafte Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen, Löhnen und zurückgehender Nachfrage. Auch Mütze sieht derzeit keine Deflationstendenzen: "Wir haben steigende Dienstleistungspreise und die Lohnabschlüsse waren auch nicht bescheiden.

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