Mineralölwirtschaftsverband verweist auf scharfen Wettbewerb
Über eine Milliarde DM Verlust an Tankstellen

Die Tankstellen in Deutschland haben nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) im bisherigen Jahresverlauf deutlich mehr als eine Milliarde Mark Verlust gemacht. Als Grund dafür nannte der Branchenverband am Mittwoch in Hamburg den scharfen Wettbewerb. Dieser habe verhindert, dass an den Tankstellen Kosten deckende Preise erzielt werden konnten.

Reuters HAMBURG. Von Juli bis September hätten vor allem die drastisch gestiegenen Importkosten für Dieselkraftstoff nicht vollständig durch höhere Preise an die Autofahrer weitergegeben werden können. Zugleich hätten sich die Gewinne der Erdölraffinerien erholt, berichtete der Branchenverband. In den vergangenen Monaten habe sich das Verhältnis von inländischen Raffinerieerlösen zu internationalen Rohölbezugskosten wieder verbessert. Somit werde die schlechte Ertragslage an den Tankstellen durch die Gewinne der Raffinerien "zumindest gemildert". Insgesamt sei die Ertragslage der Mineralölindustrie aber weiter unbefriedigend gewesen.

Das Mineralölunternehmen hatte am Dienstag von deutlich besseren Ergebnissen in der Rohölförderung und der Mineralölverarbeitung im Juli und August berichtet. Wegen der gestiegenen Rohölpreise und besseren Ergebnissen im Raffinerie- und Tankstellengeschäft erwartet DEA im laufenden Geschäftsjahr ein höheres Betriebsergebnis. Erst am Montag hatte Esso eine neue Preisrunde an den Tankstellen eingeleitet, der sich die anderen Mineralölfirmen am Dienstag anschlossen.

Die Raffinerien waren dem MWV zufolge wegen der besseren Ertragslage im dritten Quartal 2000 voll ausgelastet. Der Gesamteinsatz sei um knapp sieben Prozent auf 31,1 Mill. Tonnen gestiegen. Dabei sei mit 28,3 Mill. Tonnen knapp sechs Prozent mehr Rohöl eingesetzt worden.

Am Weltrohölmarkt herrschte dem MWV zufolge im dritten Quartal ein Angebotsüberschuss: Das Ölangebot übertraf mit 6,8 Mill. Barrel pro Tag die Ölnachfrage von 75,5 Mill. Barrel um insgesamt 1,3 Mill. Barrel. Damit habe die tägliche Ölproduktion gegenüber dem Vorjahreswert um 3,3 Millionen Barrel oder vier Prozent zugenommen. Zugleich sei die Ölnachfrage nur um 1,5 Mill. Barrel pro Tag oder zwei Prozent gestiegen.

Steigende Rohölpreise

Gleichwohl stiegen die Rohölpreise, weil die Lagerbestände vor der Heizperiode in den USA niedrig waren und deshalb Versorgungsengpässe befürchtet werden. Daraufhin hatten die in der Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC) zusammengeschlossenen Erdöl-Staaten die Fördermenge erhöht, um den Rohölpreis zu drücken. Die Freigabe eines Teils der strategischen Rohölreserven in den USA gaben nach Einschätzung von Branchenkenner den Ausschlag, dass der Rohölpreis Anfang Oktober weiter sank. Dieser Trend wurde durch die jüngste Nahost-Krise und anhaltend niedrige US-Lagerbestände vorübergehend gestoppt. Am frühen Mittwochnachmittag notierte das Fass (159 Liter) der marktführenden Rohölsorte Brent zur Lieferung im Dezember in London 31,72 Dollar, 59 Cent mehr als am Vortag.

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