Mineralwasserproduzent MEG verdoppelt seinen Absatz
Ostdeutscher Brunnen will Gerolsteiner überflügeln

Durch frühe Ausrichtung auf PET-Einwegflaschen und Produktion von Handelsmarken bedrängt die Nummer vier des Marktes die etablierten Hersteller.

LEISSLING. Nach den Plänen der MEG steht am Ende dieses Jahres ein Wechsel an der Spitze der deutschen Mineralbrunnenbranche an. Mit einem Absatzrekord von 1,25 Mrd. Liter will das Unternehmen aus Sachsen-Anhalt den bisherigen Branchenprimus, die Gerolsteiner-Gruppe, überflügeln. Anders als die meisten großen Wettbewerber setzt der ehemals kleinste Mineralbrunnen Deutschlands nicht auf umsatzstarke Marken, sondern auf die Produktion preisgünstiger Eigen- und Handelsmarken. Im vergangenen Jahr schob sich die MEG im Ranking der Fachzeitschrift Getränkefachgroßhandel mit der Verdoppelung ihres Absatzes auf 648 Mill. Liter vom zehnten auf den vierten Platz der Branche. Zum Vergleich: Der Marktführer Gerolsteiner füllte 2001 rund 892 Mill. Liter ab.

Die Entwicklung der MEG ist eine unternehmerische Erfolgsstory. Vor zwölf Jahren übernahm Christian Künzer, Enkel des Firmengründers, das 1972 in der DDR verstaatlichte Unternehmen. "1990 produzierten wir sieben Millionen Füllungen im Jahr", sagt Künzer, geschäftsführender Alleingesellschafter der MEG. Die starke Stellung der eigenen Marken "Leisslinger" und "Taufrisch" in den neuen Bundesländern schuf die Basis für die Expansion. Der Hauptabsatz liegt jedoch mit gut 60 % bei der Abfüllung von Handelsmarken für Discounter wie Aldi, Lidl oder Plus. Ein wachsendes Segment: In den vergangen fünf Jahren ist der Marktanteil der Handelsmarken nach Erhebungen des Marktforschungsinstituts AC Nielsen von lediglich 2 % auf gut 16 % gestiegen.

Für Branchenexperten spiegelt der rasante Aufstieg der MEG den deutlichen Umbruch im deutschen Mineralwassermarkt wider. Durch die Einführung günstiger Mineralwässer konkurriert der ostdeutsche Mittelständler mit rund 1 200 Mitarbeiter gegen die etablierten Markenproduzenten. Diese erwirtschaften mit ihren Marken zwar deutlich höhere Umsätze, geraten aber zunehmend unter Preisdruck, meinen Fachleute. "Die Preisspreizungen werden sich reduzieren", bekennt sogar eine Führungskraft eines großen Markenanbieters. Wie viel Geld sich im unteren Preissegment verdienen lässt, darüber schweigt sich MEG-Chef Künzer aus. Er nennt weder Zahlen zur Ertragslage noch zum Umsatz.

Das angestrebte Wachstum soll aus eigener Kraft erreicht werden. Anfang kommenden Jahres will der 52-jährige Unternehmer mit einem Relaunch der Billigmarke "Taufrisch" auch in westdeutschen Supermärkten Kunden gewinnen. "Taufrisch" gilt mit einem Marktanteil von 7 % in Ostdeutschland als besonderer Trumpf der MEG.

Um ausreichend Kapazitäten zur Verfügung zu stellen, erweiterte der Mittelständler die Standorte Leissling und Jessen (Sachsen-Anhalt) und baute im laufenden Jahr einen Standort im niedersächsischen Löningen. Ende 2002 sollen rund 1,6 Mrd. Liter Kapazität zur Verfügung stehen. "Noch sind wir zu sehr in Inseln aufgestellt", sagt Künzer. "Unser Ziel ist der Aufbau eines flächendeckenden Netzes in rund 200 km Umkreis jedes Standortes." Schließlich wünschten sich große Supermarktketten Lieferanten, die flächendeckend arbeiten können.

Früher als die Konkurrenten setzte der MEG Mitte der 90er Jahre auf das wachsende Segment der Kunststoffflaschen. Heute werden 90 % aller MEG-Getränke in PET-Flaschen abgefüllt. In Deutschland liegt der PET-Einweganteil derzeit bei 20 % - Tendenz steigend. Was viele deutsche Mineralbrunnen als Umbruch oder gar Revolution deuten, ist für Künzer nur die unvermeidliche Angleichung an das Niveau europäischer Nachbarn.

Quelle: Handelsblatt

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