Miniaturisierung bringt mehr Intelligenz auf die Smart Card
Neue Chipkarten kommen ohne ein Lesegerät aus

In einen gemeinsamen Projekt entwickeln Forscher und Entwickler in Firmen und Instituten die nächste Generation der Chipkarte. Diese besitzt ein eigenes Display, eine Tastatur und einen Prozessor sowie einen Speicherchip für die Software. Die neue Smart Card wird damit zu einem Mini-PC.

DÜSSELDORF. Der PC passt schon bald auf eine Chipkarte. Davon sind Forscher und Entwickler in Instituten und Unternehmen überzeugt. In dem Projekt "Intelligente interaktive Chipkarte" arbeiten neben den Fraunhofer-Instituten IMS (Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme) und IZM (Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration) fünf mittelständische Hersteller gemeinsam an der Entwicklung der nächsten Generation einer multifunktionalen Smart Card. Sie haben einen ersten funktionsfähigen Prototypen ihrer neuen Chipkarte vor kurzem auf der Computermesse Cebit in Hannover vorgestellt.

Während die bislang verbreitete Smart Card als elektronische Fahrkarte oder Geldbörse, für die Zugangskontrolle und zu Identifikationszwecken genutzt wird und nur aus einem Plastikkörper und dem darin eingesetzten Chip- bzw. Speichermodul besteht, besitzen die neuen Karten neben dem Speicherchip und Mikroprozessor wesentlich mehr elektronische Bauteile: "Intelligent" wird die Karte vor allem durch speziell integrierte Schaltkreise. Flach-Tastatur und ein Foliendisplay machen sie "interaktiv", und eine Folienbatterie sorgt für so viel Energie, dass die auf der Karte gespeicherten Daten wie bei einem PC oder PDA ohne zusätzliche Geräte direkt abgefragt und auf dem integrierten Display dargestellt werden können.

Solche flachen Displays, die auf organischen, lichtemittierenden Dioden basieren - so genannte OLEDs - gibt es schon. Sie haben einen minimalen Strombedarf, der von neuartigen Batterien aus umweltverträglichen Kunststofflaminaten in der Größe von nur 22 x 29 mm und einer Dicke von 0,4 mm gedeckt werden kann. Die Batterien haben eine Lebensdauer von rund drei Jahren.

Besitzer der neuen System-on- Card benötigen kein zusätzliches Lesegerät mehr. Sie können das Guthaben und die letzten Buchungen auf ihrer Geldkarte jederzeit ablesen und kontrollieren. Die Kreditkarte informiert per Knopfdruck über die Höhe des verfügbaren Kredits und die Rabattkarte über die gespeicherten Bonuspunkte. Auch ein Einsatz im Öffentlichen Nahverkehr, im Gesundheitswesen als elektronisches Rezept, als Leihkarte bei Bibliotheken oder zur Gebührenabrechnung sei denkbar, sagt Carsten Nieland, Forscher am Fraunhofer-Institut IZM.

In dem gemeinsamen Projekt sind die Teilnehmer für die Zulieferung unterschiedlicher Technologien zuständig: Das Fraunhofer-Institut IMS entwickelt den Mikrokontroller- und den Displaytreiber-Chip. Die Firma Deister steuert den Kontaktlos-Chip, Freudenberg das Kontaktmodul und die Systemträger-Schaltungsfolie bei. Novacard liefert die Folienlagen und gemeinsam mit Freudenberg die Tastatur. Die Antennenspule ist eine Gemeinschaftsentwicklung von KWS Mikotec, Deister und Freudenberg. Die Batterie schließlich kommt von Varta.

Da jede Komponente als einzelner Baustein nutzbar ist, können je nach Bedarf unterschiedliche Chipkarten für verschiedene Anwendungen maßgeschneidert werden. "Die Smart-Card-Computer haben das Zeug zum vollwertigen Westentaschen-PC", sagt Olaf Gelsen von Covion, dem zum Aventis-Konzern gehörenden Hersteller organischer Halbleiter.

Bis 2005 könnten die ultraflachen Computer auf den Markt kommen, so der technische Marketingmanager. Experten warnen jedoch vor allzu großer Euphorie. Sie geben zu bedenken, dass die Elektronikzwerge nur mit schlanken Fingern bedient und nur noch Gameboy-trainierte Augen die Minianzeige entziffern werden können. Nach einer Analyse der Unternehmensberatung Frost & Sullivan sollen bis zum Jahr 2004 weltweit 3,66 Milliarden Smart Cards im Einsatz sein. Den größten Anteil am Chip-Karten-Boom hatten bisher die SIM-Karten der Handys. Den Markt teilen sich die Kartenhersteller Infineon, ST Microelectronics und Motorola, die ebenfalls an intelligenten Smart Cards arbeiten, aber noch nicht so weit fortgeschritten sind.

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