Minister Clement versprach Änderungen
Verleger mahnen Reformen für Mittelstand an

Die Sozialreformen der Bundesregierung müssen nach Ansicht von Verlegern und Buchhändlern von weitgehenden Förderungen für den Mittelstand begleitet werden. Die überwiegend mittelständisch strukturierte Branche leide nicht nur an der allgemeinen Kaufzurückhaltung der Verbraucher, sondern auch unter der Struktur der deutschen Finanzierungsmärkte, sagte der Vorsteher des Börsenvereins, Dieter Schormann, am Dienstag bei der Eröffnung der Buchhändlertage in Karlsruhe.

HB/dpa KARLSRUHE. In schwierigen Zeiten mache sich die traditionell "dünne Eigenkapitaldecke" der deutschen Buchbranche besonders schmerzlich bemerkbar, so Schormann. Gleichzeitig sei aber der Weg zur Bildung von Eigenkapital über die Finanzierungsmärkte in Deutschland "überaus schwierig".

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) versprach, dies zu ändern: "Die Enge der deutschen Kapitalmärkte ist eines unserer größten Probleme." Die neu gegründete Mittelstandsbank sei ein Schritt, weitere würden folgen: "Unsere Reformen sind am Mittelstand orientiert", versicherte Clement. Der Minister warb vor Verlegern und Buchhändlern für die Sozialreformen. Gleichzeitig forderte er die Verleger und Buchhändler auf, selbst wieder mehr Ausbildungsplätze zu schaffen: "Wenn das Duale System dazu nicht in der Lage ist, muss der Gesetzgeber handeln." Eine Ausbildungsabgabe gelte es aber zu vermeiden.

Nach Meinung des Direktors der Frankfurter Buchmesse, Volker Neumann, ist die derzeit in einem Umsatztal wandelnde Buchbranche zu einem Teil selbst Schuld an ihren Problemen. Einerseits sei zwar die in allen Branchen spürbare Kaufunlust der Verbraucher verantwortlich, sagte Neumann in einem dpa-Gespräch. Andererseits aber litten Verlage und Buchhandel unter der Flut von Neuerscheinungen bei gleichzeitigem Beharren auf bestehenden Konzepten und einer geringen Bereitschaft für Veränderungen.

Angesichts der wirtschaftlichen Gegebenheiten würden immer noch viel zu viele Titel produziert, sagte Neumann. "Es wird alles nur noch auf die vermeintlichen Highlights gesetzt. Dabei wird das wichtige Mittelfeld sträflich vernachlässigt. Das ist ein gefährlicher Weg", sagte der frühere Marketing-Fachmann beim Verlagskonzern Random House.

Die Buchhändlertage werden alljährlich vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels organisiert, dem Dachverband der Branche. Er vertritt rund 6 700 Verlage und Buchhandlungen.

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