Minister der früheren afghanischen Regierung gaben auf: Flüchtige Taliban-Minister stellen sich Behörden

Minister der früheren afghanischen Regierung gaben auf
Flüchtige Taliban-Minister stellen sich Behörden

Rund einen Monat nach dem Fall der letzten Taliban-Hochburg, Kandahar, haben sich drei Minister der früheren afghanischen Regierung den Behörden gestellt.

Reuters KABUL/KÖLN. Das Oberhaupt der radikal-islamischen Taliban, Mullah Mohammad Omar, halte sich indes wahrscheinlich weiter in der Provinz Helmand nahe Baghran versteckt, sagte ein Sprecher der Provinz-Regierung Kandahars Reuters über Satellitentelefon. Stammesverbände nahmen nach eigenen Angaben auch den ehemaligen Leiter der Informationsabteilung der Taliban, Abdul Hajee Mutmaen, gefangen und überstellten ihn den US-Streitkräften. Die ersten Soldaten des deutschen Vorauskommandos für die internationale Afghanistan-Schutztruppe sind unterdessen von Köln in die Krisenregion abgeflogen.

Bei den ehemaligen Taliban-Ministern, die sich selbst gestellt hätten, handele es sich um Verteidigungsminister Mullah Ubai Dullah, Justizminister Mullah Turabi und Industrieminister Mullah Saadudin, sagte der Sprecher des Gouverneurs von Kandahar. Stammesverbände nahmen nach eigenen Angaben am Montag zudem den ehemaligen Taliban-Informationschef Mutmaen südlich von Kandahar fest. In der Grenzstadt Spin Boldak sei er US-Soldaten übergeben worden, sagte ein Kommandeur der Stammesverbände.

Nach Einschätzung des Sprechers der Provinzregierung versteckt sich Omar vermutlich weiter im Norden Helmands. Die Bergregion sei zwar sehr groß und unzugänglich und es werde schwer, ihn rasch zu finden, aber Omar könne nicht entkommen. Tausende Anti-Taliban-Kämpfer suchten nach ihm, sagte der Sprecher. Nach dem Sturz der Taliban hatten Vertreter der verschiedenen afghanischen Volksgruppen und von Exil-Afghanen unter Vermittlung der UNO eine Übergangsregierung gebildet.

Das US-Militär will sich nach eigenen Angaben auf die Zerschlagung restlicher Gruppen von El-Kaida-Kämpfern des Moslem-Extremisten Osama bin Laden konzentrieren. US-Soldaten und afghanische Anti-Taliban-Kämpfer setzten ihre Suche nach Taliban und Kämpfern Bin Ladens in Höhlen um die Bergfestung Tora Bora im Osten fort. Dabei seien Hinweise darauf gefunden worden, dass Bin Laden sich dort aufgehalten habe. Unklar sei, wann er zuletzt dort gewesen sei, sagte ein Sprecher des US-Oberkommandos in Florida.

Die rund 70 Fallschirmjäger der Bundeswehr sollten am frühen Mittwochmorgen in Afghanistan eintreffen, wo sie die Verlegung des Hauptkontingents vorbereiten sollen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin. Deutschland kann nach einem Bundestagsbeschluss bis zu 1200 Mann der "International Security Assistance Force" (ISAF) stellen, Verteidigungsminister Rudolf Scharping geht von einer Entsendung von 800 bis 1000 Soldaten aus. Die zunächst britisch geführte Truppe soll mit 4000 bis 5000 Mann die Sicherheit in Kabul und Umgebung gewährleisten und damit die Übergangsregierung Afghanistans stützen. Der Bundeswehr-Verband hat vor den Risiken des Einsatzes gewarnt, etwa durch Minen oder Angriffe irregulärer Bewaffneter in Kabul.

In einem Krankenhaus in Kandahar sprengte sich am Dienstag Wachleuten zufolge ein verwundeter El Kaida-Kämpfer auf der Flucht aus dem Hospital in die Luft. Der Sudanese hatte sich mit weiteren verwundeten Söldnern in einer Krankenstation wochenlang verschanzt gehalten. Die Männer hatten damit gedroht, sich in die Luft zu sprengen, falls jemand außer einem bestimmten Arzt ihren Krankentrakt betreten sollte. Wachleute sagten, die noch in dem Trakt verbliebenen Männer hätten nach dem Tod ihres Kameraden gelobt, eher zu sterben als aufzugeben. Vor dem Fall Kandahars am 07. Dezember waren insgesamt 19 verwundete Kämpfer in das Krankenhaus eingeliefert worden. Vielen gelang jedoch später die Flucht.

Das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen startete unterdessen erstmals nach den Anschlägen vom 11.September wieder Hilfsflüge in die westafghanische Stadt Herat. Ein WFP-Sprecher teilte mit, es würden ausreichend Lebensmittel zur Versorung von 340 000 Menschen in der Stadt im Grenzgebiet zum Iran geliefert. Zudem werde das nahe gelegene Flüchtlingslager Maslach mt 90 Tonnen Proviant versorgt. In dem Lager halten sich mehr als 320 000 Bürgerkriegsflüchtlinge auf.

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