Minister kritisiert Studie
Streit zwischen Eichel und Köhler

Streitpunkt Konjunktur: Der IWF-Chef räumt ein, dass es Differenzen mit dem Bundesfinanzminister gibt.

egl/sm/bac BERLIN/WASHINGTON. Zwischen der Bundesregierung und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ist ein Streit um die Warnung des IWF vor einer möglichen Deflation in Deutschland entbrannt. Dies erfuhr das Handelsblatt aus Berliner Regierungskreisen. Danach kam es am vergangenen Wochenende beim Treffen der G7-Finanzminister im französischen Deauville zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) und dem deutschen IWF-Chef Horst Köhler.

Eichel warf Köhler vor, der IWF überzeichne mit seiner neuen Deflationsstudie die weltwirtschaftlichen Risiken Deutschlands. Die IWF-Ökonomen wagten es jedoch nicht, die noch größeren Risiken der US-Wirtschaft beim Namen zu nennen. Auch gehe es nicht an, dass der IWF in seinen Analysen die Belastungen durch die falsche Finanzierung der deutschen Einheit permanent ignoriere. Indem Köhler für die Euro-Zone und für Deutschland die These einer bevorstehenden Deflation propagiere, werde es der Berliner Regierung schwer gemacht, eine Aufweichung des Europäischen Stabilitätspaktes zu verhindern.

Offiziell hüllt sich das Bundesfinanzministerium zu der Auseinandersetzung in Schweigen. "Über interne Sitzungen der G7-Finanzminister geben wir keine Auskunft", sagte ein Sprecher Eichels dem Handelsblatt in Berlin. Diplomatisch fügte er hinzu: "Gegenüber Köhler gibt es in der Bundesregierung keine Vorbehalte. Die Kooperation mit dem IWF funktioniert wie in der Vergangenheit ausgezeichnet."

Demgegenüber räumte Köhler im Gespräch mit dem Handelsblatt in Washington ein, dass es zu Differenzen mit Eichel gekommen sei. Der IWF-Chef bestätigte, dass er in Deauville stärkere Wachstumsimpulse von Europa und vor allem von Deutschland gefordert habe. Eichel habe sich danach zu Wort gemeldet und sich dagegen verwahrt, "Deutschland herunterzureden". Köhler sagte gestern, Eichels Kritik entspreche nicht den Tatsachen: "Der IWF muss weltwirtschaftliche Probleme auf der Basis von unabhängigen Expertenstudien analysieren können."

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