Minister will bei UN-Klimakonferenz in Bonn Akzente setzen
Trittin präsentiert Deutschland als Klima-Musterknaben

afp BONN. Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) zeigt sich fest entschlossen: "Es ist klar, dass wir kein Protokoll akzeptieren, das reine Kosmetik ist", diktiert Trittin am Mittwoch den Journalisten am Rande der UN-Klimakonferenz in die Blöcke. Am Tag vor Beginn der entscheidenden Verhandlungsphase in Bonn nutzt Trittin noch einmal die Chance, Deutschland als klimapolitischen Musterknaben und die rot-grüne Koalition in Berlin für ihre Energiewende zu preisen. Die Botschaft des Ministers lautet: Deutschland wird auf der Bonner Konferenz eine gewichtige Stimme mitzureden haben - wegen seiner umweltpolitischen Erfolge, von denen sich andere Länder durchaus eine Scheibe abschneiden könnten. Trittin hängt die Erfolgslatte bei der UN-Konferenz hoch: Es sei "klar, dass wir kein Protokoll azeptieren, das reine Kosmetik ist".

"Ich unterstreiche nachdrücklich die Vorreiterrolle von Deutschland», geht Trittin am Tag vor Beginn der entscheidenden Ministerverhandlungen in die Offensive. Eine "Stellvertreterrolle" allerdings, bei der Deutschland und die EU für die anderen handeln, werde die Bundesrepublik nicht übernehmen. In der Tat nehmen sich die umweltpolitischen Erfolge Deutschlands, die Trittin in diesen Tagen bei jeder Gelegenheit hervorkehrt, beim Blick auf die Statistik durchaus beeindruckend aus. Während die neue US-Regierung das Kyoto-Abkommen zur Reduzierung der Treibhausgase unter großem internationalem Protest für "tot" erklärt hat und Schlüsselstaaten wie Japan eine Zunahme seiner Kohlendioxid-Emissionen verzeichnen, baut Deutschland seinen CO-2-Ausstoß ab.

Trittin spricht von "stolzer Bilanz"

Nach den Vorgaben von Kyoto müsste die Bundesrepublik ihre Treibhausgas-Emissionen bis zum Zeitraum 2008 bis 2012 um 21 Prozent reduzieren. Einen Rückgang um 18 Prozent hat Deutschland zwischen 1990 und 2000 bereits verwirklicht. Trittin spricht von einer "stolzen Bilanz": "Wir haben gezeigt, Klimaschutz ist machbar." Vor dem Hintergrund dieser Zahlen erscheint es wenig verwunderlich, dass die Bundesregierung zumindest indirekt eine federführende Rolle bei der Bonner Konferenz im EU-Lager beansprucht. Deutschland habe den Kohlendioxid-Ausstoß um 180 Mio. Tonnen reduziert, betont Trittin, Großbritannien um 90 Mio. Tonnen. "Alle EU-Staaten zusammen haben aber nur 100 Mio. Tonnen eingespart. Das zeigt: Die EU verdankt ihre positive Bilanz nur der aktiven Klimaschutzpolitik in diesen beiden Ländern."

Allerdings: Auch am vorgeblich tiefblauen deutschen Klimaschutz-Himmel hängt unverändert eine schwarze Gewitterwolke. Im Vergleich der jährlichen CO-2-Emissionen pro Kopf der Bevölkerung nimmt die Bundesrepublik mit elf Tonnen weiter einen unrühmlichen Spitzenplatz ein. Mehr Kohlendioxid pro Kopf emittieren nur Russland (16 Tonnen), Australien (17) und die USA (20). Dass Deutschland damit immer noch einer der weltweit größten Produzenten von Treibhausgas ist, lässt Trittin nur noch nachdrücklicher auf die von Rot-Grün propagierte und längst noch nicht abgeschlossene Energiewende verweisen.

Bei der UN-Klimakonferenz in Bonn jedenfalls will sich der Musterknabe Deutschland deutlich zu Wort melden. "Wir haben nicht vor, das Kyoto-Protokkoll zurückzuverhandeln", kündigt Trittin unzweideutig an. Schwerer tut sich der streitbare Umweltminister da schon bei der Frage nach den Erfolgsaussichten des Bonner Treffens: "Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir hier zu einem Ergebnis kommen", formuliert Trittin betont vorsichtig, um mit einem Lächeln hinzuzufügen: "Und es ist nicht ausgeschlossen, dass wir keines haben."

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