Ministererlaubnis ermöglicht Ruhrgas-Übernahme
Schröder macht Eon den Weg frei

Die Eon AG wird Europas größter privater Gaskonzern. Am Freitag erhält der Düsseldorfer Konzern die Ministererlaubnis zur Übernahme der Ruhrgas AG. Damit krönt Eon-Chef Ulrich Hartmann den Umbau seines Unternehmens zu einem weltweit aktiven Energiekonzern. Allerdings bindet Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke die Genehmigung an Auflagen.

HB DÜSSELDORF. Die Eon AG wird Europas größter privater Gaskonzern. Am Freitag erhält der Düsseldorfer Konzern die Ministererlaubnis zur Übernahme der Ruhrgas AG. Damit krönt Eon-Chef Ulrich Hartmann den Umbau seines Unternehmens zu einem weltweit aktiven Energiekonzern. Allerdings bindet Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke die Genehmigung an Auflagen. So muss Eon sich vom ostdeutschen Gasunternehmen VNG in Leipzig trennen und das Netz der Ruhrgas für die Konkurrenten öffnen. Dagegen verzichtet Tacke darauf, Eon zum Verkauf der Gastochter Thüga zu verpflichten. Damit bleibt eine zentrale Forderung der Konkurrenz unerfüllt. Branchenkreise werteten die Auflagen daher als "schmerzhaft, aber erträglich".

Die Ruhrgas-Übernahme, die sich Eon schätzungsweise 10 Mrd. Euro kosten lässt, gehört zu den umstrittensten Fusionen der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Das Bundeskartellamt hatte die Übernahme im Januar wegen erheblicher Bedenken verboten. Auch die Monopolkommission sah den gerade erst in Gang kommenden Wettbewerb auf dem Gasmarkt beeinträchtigt und sprach sich ebenfalls gegen das Ruhrgas-Geschäft aus.

Doch Hartmann ließ sich von den Bedenken der Wettbewerbshüter nicht von seinem Weg abbringen und spielte die politische Karte. Bereits im vergangenen Herbst hatte Hartmann bei einem Geheimtreffen im Kanzleramt bei Bundeskanzler Gerhard Schröder um Unterstützung geworben. Wenig später hatte Wirtschaftsminister Müller eine Ministererlaubnis in Aussicht gestellt. Müller, früher selbst Eon-Manager, hatte später unter dem Druck der Öffentlichkeit seine Zuständigkeit für die Ministererlaubnis auf Staatssekretär Tacke übertragen, da er Befangenheitsvorwürfe fürchtete.

Erst am vergangenen Mittwoch besprach Hartmann letzte Details mit Tacke. Der Staatssekretär gilt als engster wirtschaftspolitischer Berater von Kanzler Schröder. Er soll sich zunächst für sehr harte Auflagen ausgesprochen haben, dann jedoch von Schröder während des G8-Gipfels in Kanada und der anschließenden gemeinsamen Reise zum WM-Finale zum Einlenken bewogen worden sein. "Die Ministererlaubnis ist in Wahrheit eine Kanzlererlaubnis", sagt der Essener Energieprofessor Dieter Schmitt.

Die beiden größten deutschen Energieversorger, RWE und Eon, haben sich aus dem Ölgeschaft zurückgezogen und das Gasgeschäft stark forciert. Erdgas gilt als Energieträger mit den größten Wachstumschancen. Doch galt eine Übernahme der Ruhrgas durch ein einziges Unternehmen wegen der höchst komplizierten Ruhrgas-Eignerstruktur als kaum erreichbar. Hartmann aber gelang es, Stück für Stück in den Besitz aller Ruhrgas-Anteile zu kommen.

Gestern verkündete Hartmann eine weitere Weichenstellung. Wulf Bernotat, bisher Chef der Eon-Logistiksparte Stinnes, soll im Mai 2003 neuer und alleiniger Vorstandsvorsitzender werden.

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