Ministerialrat Wolfgang Hetzer
Kritik an Schily führt zur Suspendierung

Seine öffentlich geäußerten Zweifel an der juristischen Qualifikation von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) haben einen Beamten im Bundeskanzleramt seinen Posten gekostet.

dpa BERLIN. Wie die Bundesregierung am Freitag bestätigte, ist Ministerialrat Wolfgang Hetzer vorläufig vom Dienst suspendiert worden. Er wird dem Vernehmen nach demnächst in ein anderes Ministerium versetzt. Der Mitarbeiter, der im Kanzleramt für den Kampf gegen organisierte Kriminalität und illegale Rüstungsgüter zuständig war, habe das gerade in der Regierungszentrale notwendige Gebot der Zurückhaltung im Beamtenrecht verletzt, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Bela Anda zu dem Vorgang.

Hetzer, der lange als Referent in der SPD-Bundestagsfraktion tätig war, hatte sich laut "Süddeutsche Zeitung" in einem Beitrag für die Fachzeitschrift "Der Kriminialist" zum zweiten Anti-Terror-Paket der Bundesregierung auch zur "juristischen Brillanz" Schilys geäußert. Unter Hinweis auf eine Schily-Biografie hatte Hetzer angemerkt, der heutige Innenminister werde dort als Bummelstudent bezeichnet, der beim ersten juristischen Staatsexamen gestrauchelt sei und nur "mit Mühe" den zweiten Anlauf zur Referendar-Prüfung geschafft habe. Als Zeugen für seine Einschätzung bemühte Hetzer in dem Aufsatz auch den Berliner Professor Uwe Wesel, einen ehemaligen Studienkollegen Schilys. Dieser habe angeblich öffentlich gestichelt, sein Kommilitone sei damals immer "am unteren Rande seiner Möglichkeiten geblieben".

Missverstanden

Wesel, der mit Schily in der Studentenzeit in Hamburg in den 50er Jahren zusammen wohnte, fühlt sich durch die Wiedergabe dieses Zitats aber völlig missverstanden. Er habe anlässlich einer Buchvorstellung in Tübingen im vergangenen Jahr diesen Satz lediglich auf den unter Juristen verbreiteten "Notenfetischismus" bezogen, sagte Wesel der dpa. Aus der Tatsache, dass jemand seine beiden Examen mit ausreichend bestanden habe, könne seine weitere Entwicklung als Jurist nicht vorhergesagt werden. Schily sei dafür das beste Beispiel. Der heutige Innenminister sei vielmehr trotz seiner Examensnoten "einer der besten Strafverteidiger der Bundesrepublik und ein hervorragender Jurist geworden", bescheinigte ihm der frühere Vizepräsident der Berliner FU.

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