Ministerin Klaudia Martini wechselt in den Opel-Vorstand
Klaudia Martini: Opels roter Umweltengel

Von der Politik in die Wirtschaft: Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Klaudia Martini soll das angekratzte Image des Rüsselsheimer Autoherstellers aufpolieren.

DÜSSELDORF. Der Adam Opel AG geht es nicht gut. Die schwierigste Adresse in der deutschen Automobilindustrie hat im vergangenen Jahr einen Verlust von fast 900 Millionen DM gemacht. Darum hat der neue Chef, Carl-Peter Forster, die Notbremse gezogen. Er hat ein radikales Sanierungsprogramm verkündet. Und er hat die Frau gefunden, die erklären soll, warum Opel die Produktion um 350 000 Autos kürzt und tausende von Jobs streichen muss: Klaudia Martini, bis gestern noch Umweltministerin von Rheinland-Pfalz, künftig Vorstand für Unternehmenskommunikation.

Angesichts der Umstände verbietet es sich, von einem Traumjob für die 50-jährige Sozialdemokratin zu sprechen. Dennoch: Selten haben Angebot und Nachfrage so zueinander gepasst wie bei dieser Personalentscheidung. Forster kann mit der Berufung der Politikerin auch im Vorstand ein spektakuläres Zeichen für den Neuanfang setzen. Und Klaudia Martini hat den lukrativen Job gefunden, den sie schon länger gesucht hat.

Dass die Juristin mit Prädikatsexamen nach zehn Jahren im Mainzer Umweltministerium verschärft wechselwillig war, davon sollen selbst die Mainzer Dompspatzen schon gewusst haben. Zehn Jahre zwischen Salmonellen in Sesampaste und Atomkonsens, zwischen grünem Punkt und Streuobst-Erlebnispfad, dass dürfte am Ende einer Frau wie der Martini genug gewesen sein. In ihrem Haus kannte sie jeden der 227 Schreibtische, in ihrem Land jeden Schornstein. Insofern kam für Landesübervater Kurt Beck allenfalls der Zeitpunkt überraschend, zu dem Martini der Politik adieu sagte.

Dabei ist die aparte Oberpfälzerin, die einst als Hoffnungsträgerin der bayerischen SPD galt, ehe sie 1991 ins Kabinett von Rudolf Scharping nach Mainz wechselte, alles andere als eine umweltbewegte Überzeugungstäterin aus der rheinischen Provinz. Für die Grünen war der technokratische Zugang, mit dem Martini Umweltpolitik trieb, von Anfang an ein rotes Tuch. Hinzu kam, dass die Verwaltungsexpertin stets den Kontakt zur Industrie des Landes suchte, vor allem zur BASF, einer Macht im Land der Reben und Rüben. Das führte unter anderem dazu, dass ihr aus dem Lager der Opposition vor der jüngsten Wahl nachgesagt wurde, sie werde ohnehin zum Ludwigshafener Chemiegiganten wechseln.

Andererseits mussten auch die Chemiebosse rasch erkennen, dass sie es hier mit einer Frau zu tun hatten, die alles andere als das "nette Mädchen" war, für das sie Martini zunächst gehalten hatten. Denn die selbstbewusste Umweltpolitikerin verstand es stets, Abstand zu wahren - nicht nur gegenüber der Wirtschaft. So hat sie auch bundespolitisch für Aufsehen gesorgt. Bei der ersten BSE-Krise legte sie sich mit dem damaligen Gesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) an. Ebenso entschlossen und diesmal erfolgreich bekämpfte Martini jüngst die grüne Dosenpfand-Idee des Berliner Kollegen Jürgen Trittin.

Martini gelang das, wovon die meisten Provinzfürsten nur träumen: bundesweit Schlagzeilen zu machen und im eigenen Land beliebt zu sein. Ob die ehemalige Augsburger Verwaltungsrichterin in Mainz allerdings je heimisch geworden ist, darüber streiten die Genossen bis heute. Fakt ist, dass Martini kein Landtagsmandat besaß und auch parteipolitisch kaum in Erscheinung getreten ist. Das mag der entscheidende Grund dafür gewesen sein, dass es mit dem Ruf nach Berlin nicht geklappt hat.

Brenzliger als in Rüsselsheim wäre es in Berlin auch nicht geworden. Denn Opel leidet nicht nur unter schlechtem Image und schlechtem Geschäft, auch der Haussegen hängt schief. Scharfe Auseinandersetzungen zwischen der Opel-Presseabteilung und den PR-Kollegen aus der Züricher Europa-Zentrale der Konzernmutter General Motors gehörten bisher zum Alltag. Martinis Vorgänger Horst Borghs schmiss schließlich den Job hin.

Die Hartnäckigkeit, mit der Martini in der Politik die Interessen ausglich, um ihre Ziele zu erreichen, kommt den Rüsselsheimern nun gerade recht. Schließlich soll die Kommunikationsarbeit Zeugnis ablegen von der größeren Eigenständigkeit gegenüber GM.

In Mainz wurde gleich nach Martinis Ernennung die Nachfolgerin in der Landesregierung bestimmt: Neue Umweltministerin von Rheinland-Pfalz wird die 48-jährige Saarbrücker Bürgermeisterin Margit Conrad, ebenfalls SPD.

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