Ministerium hat keine „gesicherten Zahlen“
Strahlentote bei der Bundeswehr

Möglicherweise sind schon 58 Radartechniker der Bundeswehr an den Folgen übermäßiger Strahlenbelastung gestorben.

ap BERLIN/HAMBURG. Das berichteten am Dienstag Anwälte der Opfer und Mediziner in Berlin. Das Verteidigungsministerium bestätigte die Zahl nicht. Ein Sprecher erklärte lediglich, "gesicherte Zahlen" seien ihm nicht bekannt. 158 Fälle von Krebserkrankung bei ehemaligen Radartechnikern der Bundeswehr sind nach Angaben der "Bild"-Zeitung dagegen "lückenlos belegt". Darunter seien 31 Fälle von Leukämie, 25 Hodenkrebs- und 22 Hirntumor-Erkrankungen. Als Ursache gelte der Einfluss von Mikrowellen und Röntgenstrahlen, dem die Betroffenen oft über viele Jahre am Einsatzplatz ausgesetzt gewesen seien. 58 Soldaten seien schon an den Folgen ihrer Erkrankung gestorben, meldete das Blatt unter Berufung auf eine interne Statistik des "Bundes zur Unterstützung Radargeschädigter e.V."

Auch nach der Stellungnahme des Verteidigungsministeriums blieb das Blatt bei seinen Angaben. Im Fernsehsender N-TV erklärte Reiner Geulen, ein Anwalt der Strahlenopfer, seit 1958 habe es rund 600 bis 800 Radartechniker bei der Bundeswehr gegeben. Davon seien 310 schwer erkrankt, die meisten an Krebs. Nachweislich seien 58 ehemalige Radartechniker gestorben, betonte auch Geulen. Dieselbe Zahl nannte auch ein anderer Opferanwalt, Remo Klinger, im Südwestrundfunk. In N-TV sagte der Mediziner Bernd Ramm vom Berliner Klinikum Charite nach Sichtung der Unterlagen des Bundes zur Unterstützung Radargeschädigter: "Diese 58 Toten sind belegt, und es werden wahrscheinlich noch mehr."

Klage für September angedroht

Geulen verwies darauf, dass die erkrankten Techniker einen rechtlichen Anspruch auf Entschädigung hätten. Wenn es im August keine Regelung mit der Bundeswehr gebe, würden die Opfer ab September Klage erheben. Verteidigungsminister Rudolf Scharping hatte vor etwa einem Monat "großzügige" Hilfe für ehemalige Soldaten, die nach krebsauslösender Strahlenbelastung erkrankten, angekündigt.

Damals hatte eine Kommission ermittelt, dass in den sechziger und siebziger Jahren Radarpersonal gefährlichen Röntgenstör-Strahlen ausgesetzt waren. Dem Bericht zufolge arbeiteten seit den fünfziger Jahren etwa 90 000 Mann in allen Waffengattungen an einigen tausend Radargeräten. Zwischen 400 und 1 000 Personen seien schwer erkrankt.

Das Ministerium erklärte, die Behauptung, 58 ehemalige Radar-Techniker seien an den Folgen einer Verstrahlung gestorben, könne "nicht bestätigt werden". "Gesicherte Zahlen von Bundeswehrangehörigen, die in der Vergangenheit Strahlenbelastung ausgesetzt waren, daran erkrankt und gestorben sind, liegen dem Bundesverteidigungsministerium zurzeit noch nicht vor." Inzwischen lägen 336 Anträge auf Anerkennung einer Wehrdienstbeschädigung wegen einer vermuteten Schädigung durch Strahleneinwirkung vor, hieß es in einer Pressemitteilung. 43 bereits länger dauernde Verfahren seien abgeschlossen, davon neun vorläufig, weil bei den Antragstellern bislang keine Erkrankungen vorlägen. In sechs Fällen wurde nach Angaben des Ministeriums eine Wehrdienstbeschädigung anerkannt, in weiteren 28 hingegen abgelehnt. In den übrigen Verfahren würde noch ermittelt.

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