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Ministerpräsidenten halten an Rechtschreibreform fest

Hamburg (dpa) - Die Forderung einiger Ministerpräsidenten nach einer Rücknahme der Rechtschreibreform hat wenig Aussicht auf Erfolg.

Hamburg (dpa) - Die Forderung einiger Ministerpräsidenten nach einer Rücknahme der Rechtschreibreform hat wenig Aussicht auf Erfolg.

Die Mehrzahl der 16 Länderchefs plädierte am Donnerstag in einer dpa-Umfrage dafür, die neuen Regeln wie von der Kultusminister-Konferenz (KMK) beschlossen zum 1. August 2005 verbindlich einzuführen. Elf Länderchefs sprachen sich gegen eine Reform der Reform aus. Um die neuen Regeln doch noch zu kippen, müssten die Ministerpräsidenten den Beschluss auf ihrer nächsten Konferenz im September jedoch einstimmig aufheben.

Für eine Rücknahme der Reform - wie sie zuvor Niedersachsens Regierungschef Christian Wulff (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) gefordert hatten - plädierte am Donnerstag lediglich Wolfgang Böhmer (Sachsen-Anhalt/CDU). Saarlands Ministerpräsident Peter Müller (CDU) verlangte eine Überprüfung, jedoch nicht ausdrücklich eine Rücknahme. Auch Müllers Amtskollege aus Baden-Württemberg, Erwin Teufel (CDU) zeigte sich offen für eine Überprüfung der Reform, die in vielen Fällen über das Ziel hinausgeschossen sei.

Die neuen Regeln sollten in ihrer derzeitigen Form nicht verbindlich werden, verlangte Müller. «Die Reform ist bei den Menschen nicht angekommen.» Die Zahl der Fehler habe nicht ab-, sondern zugenommen. «Sprache ist etwas Lebendiges, es war eine Illusion zu glauben, sie von oben verordnen zu können.»

Auch einige der Länderchefs, die für eine Beibehaltung der Reform votierten, kritisierten die neuen Schreibregeln. Sie verwiesen jedoch auf pragmatische Gründe, etwa die hohen Kosten, die mit einer Rücknahme der Reform verbunden wären, oder die erneute Verunsicherung der Menschen, wenn sie sich wieder an neue Regeln gewöhnen müssten.

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) etwa sagte, er sei zwar gegen die Reform, halte eine Rücknahme aber nicht mehr für machbar. «Mittlerweile ist jetzt schon eine ganze Schülergeneration durch die neuen Regeln gejagt worden und eine ganze Generation von Büchern erschienen», gab er zu bedenken.

Sachsens Landeschef Georg Milbradt (CDU) argumentierte: «In den Schulen, Verwaltungen und auch Firmen mühen sich alle seit sechs Jahren, die neue Rechtschreibung zu lernen und zu schreiben. Sie mag noch nicht von allen perfekt beherrscht werden. Aber wenn wir jetzt zur alten Rechtschreibung zurückkehren, wäre die Verwirrung komplett. Entsprechend äußerten sich die Ministerpräsidenten von Thüringen und Nordrhein-Westfalen, Dieter Althaus (CDU) und Peer Steinbrück (SPD).

«Wir werden die Arbeit der Kulturminister-Konferenz nicht populistische konterkarieren», sagte der Sprecher der Staatskanzlei Brandenburg. Auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) lehnte den Vorstoß der Reformgegner als populistisch ab.

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