Minus bei Gästezahl geringer als befürchtet
Altweibersommer rettet Oktoberfest

Goldene Oktobertage in der zweiten Festwoche haben die Wiesn vor einer historischen Besucherflaute bewahrt. Trotz eines enttäuschenden Starts kamen insgesamt 5,5 Mill. Menschen auf das Oktoberfest, wie die Festleitung am Sonntag in München mitteilte.

ap MÜNCHEN. Das waren zwar 7 % weniger als im Vorjahr, doch hatten die Veranstalter angesichts der trüben Welt- und Wetterlage mit noch herberen Verlusten gerechnet.

Die Besucherzahl habe seine "kühnsten Erwartungen übertroffen", sagte der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude. Insgesamt wurden auf der Wiesn "Umsatzrückgänge quer durch ausgemacht", wie Festleiterin Gabriele Weishäupl erklärte. Das Fest habe unter dem Schatten der Terroranschläge in den USA, des schlechten Wetters und der wirtschaftlichen Rezession gestanden. Die Besucher tranken heuer nur 4,8 Mill. Maß Bier, 20 % weniger als im Vorjahr.

Der Appetit war sogar noch geringer: So musste der Küchenbereich Verluste von rund 30 % hinnehmen. Vor allem Imbissbudenbesitzer bekamen das nasse Wetter der Anfangszeit zu spüren, da "niemand seine Fischsemmel im Regen essen will", wie Weishäupl erklärte. Noch düsterer sah es bei den Fahrgeschäften aus. Da Familien das größte Volksfest der Welt in diesem Jahr aus Angst vor Anschlägen mieden, waren die Karussells oft leer: Kinderfahrgeschäfte verbuchten ein Minus von rund 50 %.

Ude: "Wiesn-Vielfalt erhalten"

Angesichts dieser Zahl mahnte Ude, die Wiesn-Vielfalt zu erhalten. Es wäre eine schreckliche Perspektive, wenn Kinder kein "Wiesn-Erlebnis" mehr hätten. Sie dürften nicht meinen, das Oktoberfest sei dort, "wo der Vater zu viel säuft und brummig zurückkommt". Der SPD-Politiker zeigte sich erleichtert, dass die Wiesn friedlich verlief. Die Entscheidung darüber, ob das Fest nach den Anschlägen in den USA stattfinden solle, habe zu den schwierigsten Aufgaben seiner Amtszeit gehört. Doch werde es eine "abstrakte Gefahrenlage" auch in Zukunft geben. Es wäre fatal, wenn man alle Veranstaltungen mit Risiken absagen würde.

Von der allgemeinen Flaute kaum berührt blieb der Souvenirbereich. Angesichts des Regenwetters war der Wiesn-Hut der Renner, ob im Bierglas- oder Kuhdesign oder als traditioneller Sepplhut. Bei italienischen Besuchern waren vor allem Bierkrüge, Tassen und T-Shirts mit Wiesnlogo gefragt. Als nach wie vor beliebt erwies sich außerdem das bewährte Lebkuchenherz. Italienische Besucher erwiesen sich auch als die eifrigsten E-Mail-Schreiber, gefolgt von Österreichern und Schweizern. Insgesamt wurden rund 33 500 elektronische Oktoberfestgrüße in alle Welt verschickt.

Einige kuriose Gegenstände sammelten sich beim Wiesn-Fundbüro. Neben einer Vielzahl von Kleidern, Handys und Brillen wurden ein Hörgerät, ein Paar Krücken und eine US-Flagge abgegeben. Nur 20 % der Fundstücke wurden abgeholt.

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