Minus lag deutlich unter den Erwartungen
Industrie erhält überraschend wenig Aufträge

Die deutsche Industrie hat im Juni vor allem wegen eines Rückgangs der Bestellungen aus dem Ausland deutlich weniger Aufträge erhalten als im Vormonat.

Reuters FRANKFURT. Das vom Bundesfinanzministerium am Mittwoch gemeldete Auftragsminus von saisonbereinigt 3,2 Prozent zum Mai lag noch unter der niedrigsten Prognose befragten Analysten. Mit einer Korrektur des durch ausländische Großaufträge aufgeblähten Anstiegs von 3,3 Prozent im Mai sei zu rechnen gewesen, der überraschend deutliche Rückgang gebe aber Grund zur Sorge, sagten Analysten. Schwachpunkt bleibe weiter die Binnennachfrage, doch auch der starke Rückgang der Auslandsorders stelle den Aufschwung in Frage.

Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Rückgang um 1,5 Prozent im Monatsvergleich gerechnet, wobei die niedrigste Prognose bei minus 3,0 Prozent gelegen hatte. Nach Reuters-Berechnungen lagen die Bestellungen im Juni 1,6 Prozent unter dem Vorjahr.

Inlandsnachfrage bleibt schwach

Den kräftigen Rückgang der Auslandsorders von sieben Prozent im Juni (Mai plus 9,4 Prozent) bezeichneten die Analysten als überraschend und Besorgnis erregend. "Dieser eklatante Einbruch legt die Vermutung nahe, dass die Konjunktur im Ausland - hier insbesondere in den USA - an Schwung verloren hat", sagte Jörg Krämer von Invesco Asset Management. Viele Volkswirte haben bislang auf den Export als Motor für den erwarteten Aufschwung in Deutschland gesetzt.

Weiter schwach blieb auch die Inlandsnachfrage. Die Industrie verzeichnete lediglich ein Orderplus von 0,3 Prozent zum Vormonat, nachdem im Mai das Volumen der Inlandsaufträge um 1,9 Prozent gesunken war. "Die Inlandsnachfrage kommt nicht voran, weil die Exportnachfrage offenbar flau ist", sagte Gerd Haßel von der ING BHF-Bank.

Den kräftigsten Rückgang im Monatsvergleich mussten die Hersteller von Investitionsgütern mit einem Minus von 5,3 Prozent hinnehmen, wobei hier die Auslandsnachfrage um 9,7 Prozent zurückging. Die Konsumgüterproduzenten verzeichneten einen Anstieg der Neuaufträge um 0,1 Prozent, die Unternehmen im Vorleistungsgüterbereich erhielten 1,4 Prozent weniger Orders. Während die Industrie in den alten Bundesländern 3,5 Prozent weniger Neuaufträge verbuchte, legte der Auftragseingang in Ostdeutschland um 0,7 Prozent zum Vormonat zu.

Im weniger schwankungsanfälligen Zweimonatsvergleich Mai/Juni zu März/April legte der Auftragseingang den BMF-Angaben zufolge in Deutschland um 2,3 Prozent zu. Der Auftragseingang des Verarbeitenden Gewerbes ist eine wichtige erste Kennziffer für die reale Konjunkturentwicklung. Die Daten können aber von Monat zu Monat zum Beispiel wegen Großaufträgen stark schwanken.

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