Minus trotz Griffs in Reserven
Bankgesellschaft Berlin mit hohem Fehlbetrag

Die Bankgesellschaft Berlin wird wegen ihrer Probleme im Immobiliengeschäft und trotz eines Rückgriffs auf Reserven für das Jahr 2000 einen hohen Fehlbetrag ausweisen. Dieser Verlust werde aber unterhalb des zusätzlichen Kapitalbedarfs liegen, der mit über 4 Mrd. DM Mark ermittelt worden war, teilte die Bank am Freitag nach einer Aufsichtsratssitzung mit.

Reuters BERLIN. Als Konsequenz aus der Finanzkrise werde dem Aufsichtsrat am 24. Juni ein Restrukturierungskonzept vorgelegt, über dessen Details nichts mitgeteilt wurde. Die Bank bekundete den Willen, "rechtliche Konsequenzen" bis zu Regressforderungen einzuleiten, sofern einzelnen Managern Fehlverhalten vorzuwerfen sei.

Der Aufsichtsrat der Bank tagte mehr als sechs Stunden in der Berliner Zentrale des Instituts. Danach erklärte das Institut, die Zukunft des Konzerns sei durch die Garantie des Landes, das als Mehrheitseigner den notwendigen Kapitalbedarf durch die Aufnahme neuer Schulden decken will, gesichert. Das gelte unabhängig davon, ob sich die anderen beiden Aktionäre, die NordLB und die Parion-Gruppe, an der anstehenden Kapitalerhöhung beteiligen oder auch zusätzliche Partner für das Institut gefunden werden. Im übrigen verlaufe die Ertragsentwicklung der Bank derzeit so, dass ein befriedigendes Halbjahresergebnis 2001 zu erwarten sei.



Über die anstehende Kapitalerhöhung, die das Land Berlin garantiert hat, wird der Bank zufolge auf einer Hauptversammlung Ende August befunden. Auch ein Restrukturierungskonzept für den Konzern solle dort erläutert werden. In den Medien war bereits über einen Abbau von rund 3 000 der derzeit 16 000 Stellen im Konzern spekuliert worden. Bislang war lediglich vom Abbau von 10 % Prozent der Beschäftigten im laufenden Jahr die Rede.



Forciert will die Bank an ihrer Neuaufstellung arbeiten, wie es in der Mitteilung hieß. Die Kernaktivitäten sollen in drei rechtlich beziehungsweise organisatorisch weitgehend eigenständige Bereiche gegliedert werden: die Bereiche Privat- und kleine Firmenkunden (Retail), Kapitalmarkt- und Großkunden (Wholesale) und das gewerbliche Immobiliengeschäft. Durch eine solche Gliederung eröffneten sich auch Möglichkeiten für strategische Partnerschaften, hieß es.



Der hohe Wertberichtigungsbedarf im Konzern, der den Kapitalbedarf in Milliardenhöhe ausgelöst hat, rührt nach Angaben der Bank aus dem Kreditgeschäft, speziell dem Immobilienbereich, her. Eine Rolle habe dabei die rückläufige Entwicklung am Immobilienmarkt im Großraum Berlin gespielt. Prüfen will die Bank auch, ob ein Verkauf ihrer indirekten Beteiligung an der Weberbank Berliner Industriebank, die im Geschäft mit vermögenden Privat- und Firmenkunden tätig ist, einen Beitrag zur Schließung der Kapitallücke leisten kann.



Das Land Berlin will den Kapitalbedarf der Bank decken. Daher und wegen der Verschiebung geplanter Vermögensverkäufe will das Land seine Neuverschuldung in diesem Jahr um rund 6 Mrd. auf 9,6 Mrd. DM drastisch erhöhen. Das Land bemüht sich zugleich, einen neuen Partner für die Bank zu gewinnen, der in den Eigentümerkreis eintritt und dafür neues Kapital mit einschießt. Derzeit hält das Land 56,6 % der Anteile. Die NorLB ist mit rund 20 %, die Parion-Versicherungsgruppe mit 7,5 % beteiligt, der Rest befindet sich im Streubesitz. Das Land plant nach Angaben des Senats, auf mittlere Sicht Anteile an der Bankgesellschaft abzugeben.



Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU), den die Opposition wegen der Bank- und Finanzkrise zum Rücktritt aufgefordert hat, hatte am Vortag vom Vorstand der Bank ein Konzept gefordert, dass die Zukunft des Konzerns sichert. Zudem hatte Diepgen gefordert, Regressansprüche gegen frühere Manager und Wirtschaftsprüfer der Bank zu prüfen.



PDS, Grüne/Bündnis 90 und FDP haben inzwischen angekündigt, ein Volksbegehren zur Durchsetzung von Neuwahlen in Berlin zu unterstützen.

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