„Mirabella V" und Wally Power 118 auf der Boot 2004: Luxus-Welle schwappt über die „Boot"

„Mirabella V" und Wally Power 118 auf der Boot 2004
Luxus-Welle schwappt über die „Boot"

Manche Kaufmannsregeln sind verblüffend einfach. "Es gibt zurzeit 497 Milliardäre auf der Welt. Ich brauche nur 20 von ihnen", rechnet Joe Vittoria, Gründer und Ex-Chef des US-Autovermieters Avis vor. Dem exklusiven Kreis will der Multimillionär ab Sommer aber keine biederen Autos vermieten, sondern eine Segelyacht - den größten Einmaster der Welt, um genau zu sein.

HB DÜSSELDORF. Dass Stapellauf und Taufe der 75 Meter langen "Mirabella V" aus der Feder des Designers Ron Holland kein Medienspektakel war, lässt sich am ehesten mit der derzeit wieder herrschenden Konkurrenz maritimer Superlative erklären. Dabei gab es in den frühen Morgenstunden des 30. Dezember nur einen Steinwurf von der gleich nebenan ankernden Queen Mary 2 in Southampton ein wahres Spektakel zu beobachten: Dort montierten die Arbeiter der VT-Woolston-Werft mit Hilfe von fünf Kränen den 90 Meter hohen Schiffsmast der "Mirabella V". Der Zeitpunkt wollte gut gewählt sein, denn bis der 42 Tonnen schwere Kohlefasermast einige Stunden später endgültig in den Schiffsrumpf integriert war, durften nicht mehr als 15 Knoten Windgeschwindigkeit herrschen.

Historisch war dieser Tag in zweierlei Hinsicht. Die "Mirabella V" war nicht nur das letzte von über 600 Schiffen, das die Woolston-Werft in Southampton vor ihrer Schließung verlässt, es war auch gleichzeitig der mit Abstand größte Einmaster aller Zeiten. Der Mast der "Mirabella" muss das Gewicht von 400 Autos vom Typ VW Golf tragen. Konstruktion und Herstellung schauten sich die Mastbauer von vergleichbaren Karbonkonstruktionen in der Formel 1 und in der Luftfahrt ab, wo tragende Teile Schicht für Schicht "gebacken" werden. Für den knapp 90 Meter hohen Mast der "Mirabella" war daher eine mit 100 Meter Länge überdimensionierte "Backform" nötig.

In der Balance hält das Schiff ein 150 Tonnen schwerer und zwischen vier und zehn Meter Tiefgang höhenverstellbarer Bleikiel - das ist das Gewicht, das James Cooks legendäre "Endeavour" insgesamt auf die Schiffswaage brachte. Die Segel setzen auf diesem Segelmonstrum keine Crew, sondern über eine Tonne schwere Elektrowinschen, die speziell für diese Konstruktion in Deutschland hergestellt wurden. Bei einer frischen Brise pflügt die "Mirabella" ab Ende Januar mit mehr als 25 Knoten durch die Meere.

Ungewöhnlich sind aus Expertensicht aber nicht nur die gigantischen Abmessungen der "Mirabella", sondern auch der Rumpfbau, für den die Schiffsbauer leichte Faserverbundstoffe statt wie sonst üblich Stahl und Aluminium verwendet haben. "Das macht den Rumpf leicht und schafft Gewichtsreserven für bootsinnere Spielereien wie Weinkeller, Schwimmbad und ein Kino", kommentiert der Münchener Yachtdesigner Klaus Röder.

Ohnehin zeigt sich anhand der "Mirabella V" der Trend hin zu immer luxuriöseren Booten. "Geht man nach den Abmessungen mit einem 75 Meter langen Bootsrumpf, fänden auf der Mirabella rund 50 Leute bequem Platz. Tatsächlich ist das Schiff aber nur für rund zwölf Passagiere konstruiert", sagt Röder. Los geht es für gutbetuchte Segler im Frühjahr 2004.

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