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Miranda Curtis sorgt für Aufregung

Die Münchner Medientage sind ein beliebtes Forum, die Branche mit angenehmen, aber auch unangenehmen Ankündigungen zu überraschen.

DÜSSELDORF. Während diesmal Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber auf Schmusekurs zu den Medienunternehmen ging, sorgte erstmals eine Frau für viel Aufregung. Miranda Curtis, Präsidentin des amerikanischen Kabelnetzbetreiber Liberty Media International, kündigte an, dass ihr die MHP-Decoder zu teuer seien. Durch den europäischen Standard Multimedia Home Platform (MHP) würden die Kosten für die Empfängsgeräte des digitalen Fernsehens um 60 bis 80 Euro steigen. Daher werde Liberty eigene, preiswertere Boxen verschenken. Mit diesem klaren Statement zog sich Frau Curtis den Unmut aller Marktteilnehmer zu. Die Allianz gegen die Pläne von Liberty reichen von der RTL-Group über die Kirch-Gruppe bis hin zu ARD und ZDF. Auch die Geräteindustrie, die endlich auf die Einführung der MHP-Boxen setzt, war alles andere als amüsiert.

Ob die Pläne von Frau Curtis jemals Realität werden, erscheint zweifelhaft. Die Landesmedienanstalten - allen voran mit dem Digital-TV-Experte Hans Hege - sind bereits in Stellung gegangen. Einen anderen Standard als MHP wollen die mächtigen Insittutionen für den Rundfunk in Deutschland offenbar nicht dulden. An Hebeln fehlt es den Medienanstalten nicht. Ihr Auftrag ist klar: Im Sinne der Verbraucher muss allen Programmanbietern ein chancengleicher Zugang zum TV-Kabelnetz gesichert werden. Kritiker befürchten, Liberty werde versuche, über Billig-Settopboxen auch eigene Inhalte an den Mann zu bringen. Schon jetzt ist der Konzern von John Malone an den in Deutschland ausgesprochen erfolgreichen Einkaufsendern QVC und Home Shopping Europe beteiligt.

Die Sender und die Geräteindustrie stehen im Kampf für den MHP-Standard nicht allein. Der EU-Kommissar Erkki Liikanen, zuständig für Fernsehen und Kabel, hat bereits seine Unterstützung für MHP zugesagt. "Ich heiße Initiativen der Industrie für eine freiwillige Migration auf MHP im gesamten Binnenmarkt willkommen", erklärte der Finne bei einem Treffen mit ARD-Vorsitzenden Fritz Pleitgen bereits im Sommer. In Brüssel ist klar, unterschiedliche technische Lösungen in den jeweiligen nationalen oder regionalen Kabelnetzen war für eine zügige Einführung des digitalen Fernsehens tödlich. Angsichts der geschlossenen Ablehnungsfront wird Frau Curtis nichts anderes übrig bleiben, als ihre Strategie im deutschen Markt noch einmal sorgfältig zu überlegen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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