Mischung aus Settop-Box und Medien-PC
Die digitale Box verknüpft TV, Video und Internet

Mit einer neuen Technik aus Settop-Box und Mediencomputer geht Echostar, Amerikas zweitgrößter Anbieter von Satellitenfernsehen, auf Kundenfang. Das Moxi-Media-Center des ehemaligen Apple-Ingenieurs und Web-TV-Gründers Steve Perlman bietet nicht nur den Empfang von Fernsehen, sondern auch von Video und Internet.

HB PALO ALTO. Die Integration von Internet und Fernsehen ist in den USA bislang wenig erfolgreich gewesen. WebTV, das inzwischen zu Microsoft gehört, hat in mehr als vier Jahren nur etwa eine Million Kunden für seinen Dienst gewonnen. Silicon-Valley-Entrepreneur Steve Perlman will das nun ändern. Er hat ein Empfangsgerät entwickelt, das als Medienzentrale im Wohnzimmer für Furore sorgen könnte. Das Moxi-Media-Center ist trotz einiger PC-Komponenten eher mit einer Settop-Box als mit einem Personalcomputer verwandt. Es sieht aus wie ein normaler Videorekorder, bietet aber gleichzeitig digitales Fernsehen, Video, Musik über DVD- oder CD-Player sowie Computeranschluss, interaktives Fernsehen, E-Mail sowie Kommunikationstechniken via Internet wie Instant Messaging. Zunächst soll der Tausendsassa als Settop-Box für Anschlüsse des US-Kabel- und Satelliten-Fernsehen genutzt werden, später sollen auch Funktionen für digitale Fotos und Amateurvideos hinzukommen.

Es gibt bislang kein vergleichbares Gerät auf dem Markt

Analysten äußerten sich begeistert über das neue Empfangsgerät. Richard Doherty von der Envisioneering Group aus Seaford im US-Bundesstaat New York hält Perlmans Entwicklung für "das beste verbraucherorientierte Produkt", das seit langem in der Unterhaltungselektronik gezeigt wurde. Neben der einfachen Bedienung lobt der Marktforscher für TV- und Videothemen auch die wirtschaftliche Strategie, die einen raschen Einsatz des Geräts beim Anbieter für Satelliten-TV Echstar vorsieht. Der Anbieter von Satellitenfernsehen plant als einer der ersten, das Gerät als Settop-Box für die Integration der übernommenen Kunden von DirectTV zu nutzen. Deren Zahl soll sich nach Angaben des Analysten Josh Bernhoff von Forrester Research allein auf zehn Millionen Haushalte belaufen. Dazu käme in einem späteren Schritt die Ausstattung der bestehenden Echostar-Kunden.

Derzeit gibt es keine mit Moxi vergleichbaren Geräte auf dem Markt. In dem silbergrauen Kasten verbirgt sich nicht nur ein digitaler Videorekorder mit Techniken zur interaktiven Programmverbindung à la TiVO und Replay TV, sondern auch ein DVD/CD-Player, ein Heimfunknetz für den drahtlosen Anschluss weiterer Bildschirme sowie alle PC-Funktionen, die man für das Surfen im Internet benötigt. Ab 2003 soll auch die Möglichkeit des Telefonierens über das Internet integriert sein.

Das neue Medienzentrum ist derzeit mit einer 80-Gigabyte-Festplatte ausgerüstet - spätere Modelle sollen mit größerer Speicherkapazität angeboten werden. Als Betriebssystemsoftware wählte Perlman Linux. Die grafische Benutzerschnittstelle basiert auf der Software von Macromedia. Die Anwendungssoftware für die Steuerung der einzelnen Unterhaltungselemente wurde von dem Startup aus Palo Alto selbst entwickelt.

Steuerzentrale für die Unterhaltung im Wohnzimmer

Das System unterstützt mehrere Signale gleichzeitig, so dass Nutzer in verschiedenen Räumen darauf zugreifen können. "Es nimmt alle digitalen Medien und bringt sie nicht nur zu Ihrem PC, sondern auch zu Ihrer Fernseh- und Audioanlage", erklärte Perlman Anfang des Monats auf der Consumer Electronic Show in Las Vegas. Als technische Grundlage der lokalen Heimvernetzung arbeitet Moxi mit der leistungsstärkeren Variante von Wifi oder Wireless LAN, dem Standard IEEE 802.11a, der bis zu 54 Megabit pro Sekunde (Mbps) übertragen kann. Die häufiger genutzte Variante 802.11b kann maximal 11 Mbps senden.

Steve Perlman gehörte zu den Technikern von Apple Computer und gründete in den 90er-Jahren in Palo Alto den TV-Online-Dienst WebTV, den er 1997 an Microsoft für etwa 500 Mill. $ verkaufte. Die Idee für Moxi kam Perlman in seinem Heim am Lake Taho. Dort hatte er sich für eine Million Dollar eine Medienwand vom Feinsten eingerichtet. Sein Ziel: eine von den Funktionen her ähnliche Gerätekonfiguration für nur wenige hundert Dollar.

Dies gelang in zweijähriger geheimer Entwicklung in Perlmans neuer Firma mit dem bewusst irreführenden Namen Rearden Steel Technologies, die vergangene Woche in Moxi Digital Inc. umbenannt wurde. Das Unternehmen will die Hardware nicht selbst produzieren, sondern stattdessen die Technik an Lizenznehmer verkaufen. Zu den Investoren von Moxi gehören AOL Time Warner, Cisco und Echostar Communications.

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