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Miss-Universum-Kür in Ecuador

Buenos Aires/Quito (dpa) - Der Wanderzirkus der Miss-Universum- Wahl macht dieses Jahr in der Mitte der Welt Station. Nur 22 Kilometer südlich des Äquators in Ecuadors Hauptstadt Quito und in 2800 Metern Höhe treten am nächsten Dienstag Schönheitsköniginnen aus 83 Ländern vor die Jury, um den begehrten Titel zu ergattern.

Buenos Aires/Quito (dpa) - Der Wanderzirkus der Miss-Universum- Wahl macht dieses Jahr in der Mitte der Welt Station. Nur 22 Kilometer südlich des Äquators in Ecuadors Hauptstadt Quito und in 2800 Metern Höhe treten am nächsten Dienstag Schönheitsköniginnen aus 83 Ländern vor die Jury, um den begehrten Titel zu ergattern.

Viel Körper und auch ein bisschen Geist werden sie in der Hoffnung auf Ruhm, Geld und eine Diamantenkrone zu Markte tragen. Wem immer die amtierende «Miss Universum» Amelia Vega aus der Dominikanischen Republik am späten Dienstagabend (früher Mittwochmorgen MESZ) die Krone aufs Haupt setzt, der Siegerin steht dann ein Jahr lang ein Leben im Ausnahmezustand bevor.

Während in früheren Jahren Feministinnen schon mal die «Fleischbeschau» anprangerten, sorgt die aus einer Bikini-Schau hervorgegangene Mega-Veranstaltung kaum noch für Empörung. In Zeiten von Big-Brother und Ekel-Shows im Fernsehen wirkt der Aufmarsch der langbeinigen Schönen schon fast etwas zu artig. Machos kommen dennoch auf ihre Kosten, denn die Grazien müssen ja nicht nur im Abendkleid auf den Laufsteg, sondern sich auch im Bikini begutachten lassen. Bei der Nabelschau geht es um Körbchengrößen und andere Idealmaße.

Die Kandidatinnen müssen aber nicht nur was im Körbchen, sondern sollen auch was im Köpfchen haben. Deshalb müssen sie Interviews über sich ergehen lassen, die auf der Internetseite der Veranstalter veröffentlicht werden. Wie leicht man sich da in die Nesseln setzen kann, musste die Kandidatin «Miss Bolivien» jetzt erfahren. Gabriela Oviedo beklagte sich da, alle Welt würde bei Bolivien immer nur an die Indios im Westen des Landes denken, diese «ärmlichen und kleinwüchsigen» Leute. Sie aber sei aus dem Osten, und da seien die Menschen «groß, weiß und könnten Englisch». Die heimischen Indios fanden die Äußerungen nicht so witzig.

Der US-Fernsehsender NBC, der zusammen mit dem amerikanischen Milliardiär Donald J. Trump die Weltrechte an der Schau hält, verspricht sich und den Werbekunden bis zu zwei Milliarden Zuschauer weltweit. Und Ecuador nutzt den Rummel als Gratis-Werbung für seine touristischen Reize. Schon seit Wochen tingeln die «Misses» durchs Land, Journalisten aus aller Welt immer im Schlepptau. Und die Siegerin wird für ein ganzes Jahr zu einer öffentlichen Figur, einer Litfaßsäule der Schönheit sozusagen.

Während ihres Amtsjahres muss sie eine Vielzahl von öffentlichen Auftritten absolvieren, in Talk-Shows und bei Wohltätigkeitsveranstaltungen brillieren. In dieser Zeit bezieht die «Königin» ein festes Gehalt und darf in einem Luxus-Appartement in New York residieren. Als Blickfang hat sie Sponsoren zur Verfügung zu stehen, die sie dafür reichlich beschenken. Außerdem darf sich die «Königin» kostenlos zwei Jahre an einer New Yorker Schauspielschule versuchen.

Nur einmal ergatterte eine Deutsche den Titel. 1961 wurde Marlene Schmidt «Miss Universum». Dieses Jahr geht die Aachenerin Shermine Sharivar für Deutschland an den Start. Die 21-jährige Tochter einer Deutschen und eines Iraners hat ein Faible für Bundeskanzler Gerhard Schröder. Der habe sich «gegen den Irak-Krieg» und damit «gegen eine Weltmacht» gestellt, sagte die Studentin der Politikwissenschaft in der Fragerunde der «Miss Deutschland»-Wahl im Januar. Solche Töne sind auf der offiziellen Internetseite der Veranstalter nicht zu finden. Dort verrät sie, dass sie Nachrichtensprecherin werden möchte und über ihr Leben als «Miss Deutschland» ein online-Tagebuch schreiben werde.

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