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Missglückter Auslandsstart bringt Telegate Verluste

Ein verzögerter Start in das Geschäft in Italien und Spanien wird dem am Frankfurter Neuen Markt notierten Auskunftsdienstleister einen Verlust von 18 Mill. DM bescheren.

rtr MÜNCHEN. Ein verzögerter Start in das Geschäft in Italien und Spanien wird dem am Frankfurter Neuen Markt notierten Auskunftsdienstleister Telegate AG in diesem Jahr einen Verlust von 18 Mill. DM bescheren. Auf Grund von großen Anlaufschwierigkeiten im Auslandsgeschäft und im Internet werde der Umsatz nur auf 270 (Vorjahr: 173,5) Mill. DM und nicht wie geplant auf 300 Mill. DM steigen, teilte Telegate am Donnerstagabend nach Börsenschluss in München mit. Für 2000 hatte das Unternehmen bisher einen kleinen Gewinn erwartet. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen werde "leicht negativ" ausfallen, sagte Vorstandschef Klaus Harisch. Die bisherige Strategie in Italien sei vorerst gescheitert.

Das Kerngeschäft in Deutschland schreibe weiterhin "solide schwarze Zahlen", so Harisch in München. Dort soll die Rendite auch im kommenden Jahr "nicht deutlich unter 15 %" vom Umsatz fallen. Angesichts eines Marktanteils von 23 % sei eine zweistellige Umsatzsteigerung möglich, sagte Finanzvorstand Dirk Roesing. Beim Start des Internet-Portals "11880.com" habe es technische Probleme gegeben, räumte Roesing ein. Daher seien Aufwendungen von 15 Mill. DM für das Engagement als Sponsor des neuen Formel-1-Teams BMW-Williams ins Leere gelaufen. "Wir haben die PS nicht auf die Straße bekommen", sagte Harisch. Über eine Fortsetzung des Sponsorings werde derzeit nachgedacht.

Die verspätete Konsolidierung des im Frühjahr in den USA gekauften Call-Center-Dienstleisters CFW (jetzt Telegate Inc.) habe weitere bis zu 18 Mill. DM Umsatz gekostet, hieß es. Das seit Juli in die Bilanz einbezogene Unternehmen werde 2000 rund 18 Mill. DM Umsatz zum Konzernvolumen beitragen. Für die USA sei man zuversichtlich, 2001 mit einer eigenen Nummer als Auskunftsdienstleister auftreten zu können.

In Spanien und Italien hätten Verzögerungen in der Deregulierung der Märkte einen Markteintritt bisher verhindert. In Spanien und Großbritannien wolle Telegate nun im kommenden Jahr mit einem eigenen Dienst starten, für Italien werde derzeit eine andere Lösung gesucht, sagte Vorstand Harisch. Denkbar sei etwa, dass Telegate die Auskunft für den bisherigen Monopolisten Telecom Italia SpA übernehmen werde. Gespräche hierüber liefen schon. Der Telekommunikationskonzern sei nach der Fusion seiner Internet-Tochter Tin.it mit dem designierten Telegate - Großaktionär Seat Pagine Gialle SpA indirekt maßgeblich an Telegate beteiligt und habe damit den Start der Münchener blockiert.

Der Kurs der Telegate-Aktie war am Donnerstag am Neuen Markt im Parketthandel noch um 5,3 % auf 119 Euro gestiegen. Im späten Geschäft schrumpften die Kursgewinne im Xetra-Handel aber auf 0,23 % und der Kurs auf 115,27 Euro zusammen.

Das Geschäft mit Reisen, für das Telegate zwei Internet- Reiseveranstalter übernommen hatte, soll in Kürze unter der Marke "travelgate", zusammengefasst werden. Darüber hinaus erwäge das Unternehmen, innerhalb der nächsten zwei Jahre, in den Verkauf von Eintrittskarten einzusteigen, sagte Harisch.

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