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Misshandlungen auch bei Guantánamo-Gefangenen?

Auf dem US-Stützpunkt Guantánamo Bay auf Kuba sind nach Informationen der „New York Times“ Gefangene aus dem Afghanistan-Feldzug systematisch misshandelt worden. Die Zeitung berief sich dabei am Sonntag auf Wachsoldaten und Verhörbeamte.

dpa NEW YORK. Auf dem US-Stützpunkt Guantánamo Bay auf Kuba sind nach Informationen der "New York Times" Gefangene aus dem Afghanistan-Feldzug systematisch misshandelt worden. Die Zeitung berief sich dabei am Sonntag auf Wachsoldaten und Verhörbeamte.

Nach dem Misshandlungsskandal im irakischen Gefängnis Abu Ghoreib hatte das US-Militär betont, dass es solche Zustände auf dem Stützpunkt auf Kuba nicht gebe. Dem widersprachen aber jetzt die in dem Zeitungsbericht erwähnten Informanten.

Widerspenstige Häftlinge wurden nach Angaben dieser Informanten bis auf ihre Unterwäsche ausgezogen und mussten an Händen und Füßen gefesselt mit kleinen Unterbrechungen bis zu 14 Stunden in grellem Licht und bei lauter Musik ausharren. Zudem sei die Klimaanlage extrem hochgefahren worden, um die Gefangenen ungewohnter Kälte auszusetzen. Andere seien in der Nacht mehrfach hintereinander aus dem Tiefschlaf gerissen, verhört und immer wieder in andere Zellen gebracht worden.

Die Methoden kämen Folter gleich, sagte David Sheffer, Rechtsprofessor an der George-Washington-Universität, der Zeitung. Das Pentagon wollte zu den Vorwürfen nicht direkt Stellung nehmen. In einer Erklärung hieß es, die Wachsoldaten in Guantánamo hätten eine stabile, sichere und humane Atmosphäre geschaffen. Bei den Verhören seien wichtige Informationen zu Tage gefördert worden, weil die Beamten mit den Gefangenen eine auf Vertrauen, nicht auf Angst basierende Beziehung aufgebaut hätten.

Nach dem Skandal von Abu Ghoreib hatte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld eine Untersuchung in Guantánamo angeordnet. Die kam zu dem Schluss, dass zulässige strenge Verhörmethoden so gut wie nie angewandt wurden. Nach Angaben der Informanten ging die Behandlung einiger Gefangener aber über die zulässigen Methoden hinaus. Die Praxis sei nach dem Bekanntwerden des Skandals eingestellt worden.

Die USA internieren in Guantánamo Bay auf Kuba seit Januar 2002 mutmaßliche Taliban- und El Kaida-Kämpfer. Derzeit werden in dem Lager knapp 600 Häftlinge aus mehr als 40 Ländern ohne Prozess festgehalten. Die USA betrachten sie als "feindliche Kämpfer". Nach dem Urteil des Obersten Gerichts finden seit Sommer erstmals Anhörungen statt, in denen die Männer sich zu den Vorwürfen des Terrorismus äußern können.

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