Misstrauen der ausländischen Investoren bleibt
Pakistan lässt sich Bündnistreue vergolden

Am Mittwoch (11.) steht Militärmachthaber Pervez Musharraf in New York an der Seite von US-Präsident George W. Bush bei der Gedenkveranstaltung zum 11. September. Von seinem eindeutigen Bekenntnis zum "Bündnis gegen den Terror" hat Pakistan im vergangenen Jahr profitiert. Hilfsgelder fließen reichlich, die Devisenflucht ist gestoppt.

DELHI. Wenn es einen Gewinner im Krieg gegen den Terror gibt, dann ist es die Wirtschaft des Frontstaates Pakistan. Beendet ist die vierjährige Talfahrt, die die Staatsfinanzen an den Rand des Kollapses gebracht hatten. Hin- und hergerissen zwischen populistischen Konzessionen und IWF-verordneten Sparübungen hatten die demokratischen Regierungen in den neunziger Jahren gerade mal ein Durchschnittswachstum von rund 3,5 % erreicht, was bei einer Bevölkerungszunahme von knapp 3 % einem Nullwachstum gefährlich nahekam. Auf die Nukleartests von 1998 folgten westliche Sanktionen, die der auslandsabhängigen pakistanischen Ökonomie weit mehr zusetzten als der indischen. Nach dem Militärputsch von General Pervez Musharraf wurde die Sanktionsschraube weiter angezogen und die Devisenflucht verschärfte sich.

Dann kam der 11. September. Musharraf gab die Unterstützung der Taliban auf und Pakistan wurde zum wichtigsten Kriegsverbündeten der USA und Teil des "Bündnisses gegen den Terror". Die Sanktionen wurden aufgehoben, die Entwicklungshilfe großzügig aufgestockt, Weltbank, Asiatische Entwicklungsbank und Währungsfonds wurden angewiesen, neue Kredite zu versprechen, und die erdrückende Auslandschuld sollte neu verhandelt werden.

Im vergangenen Dezember traten die Gläubigerstaaten des "Pariser Klubs" zusammen, um die für 2002 fälligen 12,5 Mrd. $ umzuschulden. In den letzten Wochen konnte Pakistan nun die Früchte ernten, als es mit fünf Staaten neue Abkommen abschloss, allen voran den USA. Für deren Kredite in der Höhe von 3 Mrd. $ wurden neue und großzügige Fälligkeiten festgelegt. Mit Laufzeiten von 38 und 23 Jahren und 15 bzw. 5 Freijahren bewirken sie laut Finanzminister Shaukat Aziz eine Verringerung des Schuldendienstes um 30 %.

Auch der Internationale Währungsfonds machte eine Kehrtwende. Er hatte Pakistan zuvor praktisch den Rücken gekehrt, weil dieses in Washington im Ruf stand, ein "Ein-Tranchenstaat" zu sein: Jedes verhandelte Kreditpaket führte jeweils zur Auszahlung der ersten Tranche, doch immer wenn die Zeit für schmerzhafte Maßnahmen kam, kapitulierte die Regierung und verpasste die vorgelegten Zwischenziele für die nächste Auszahlung. Ende 2001 wurde ein neues Kreditpaket unter dem "Poverty Reduction & Growth Fund" (PRGF ) in Höhe von 1,3 Mrd. $ geschnürt, und voraussichtlich im Oktober wird die vierte Tranche zur Ziehung kommen. Paul Chabrier, der Chef der IWF-Mission in Pakistan, erteilte der Regierung für die Erfüllung ihrer Hausaufgaben gute Noten.

Die Inflation ist auf 3 % gesunken, der Außenhandel hat - mit 18 % bei den Ausfuhren und 17 % bei den Einfuhren - stark zugenommen, Steuereinnahmen sind gestiegen, die Überweisungen von Pakistanern im Ausland fließen wieder, die Währungsreserven stehen bei 7,5 Mrd. $, und erstmals nach vielen Jahren konnte die Auslandsschuld, und mit ihr der Schuldendienst, leicht gesenkt werden.

Der Wert der Rupie hat sich im Verlauf des Jahres gegenüber dem Dollar ständig erhöht (von 68 auf 59 Rs/$), und die pakistanischen Börsen haben beinahe allein auf weiter internationaler Flur im Verlauf des Jahres einen Höhenflug vollführt. Der Index der Börse von Karachi hat seinen Wert seit dem 11. September um 44 % gesteigert. Einzig die ausländischen Direktinvestitionen haben sich nicht erholt und erreichten im gleichen Zeitraum nur magere 400 Mill. $.

Das Misstrauen der Auslandsinvestoren hat Gründe. So nennt sich der IWF-Kredit zwar "Poverty Reduction and Growth Fund", aber ausgerechnet die beiden Kernziele Armutsbekämpfung und Wachstum konnten bisher nicht erreicht werden. Die Vorgabe eines Wachstums von 5 % wurde weit verfehlt, und zum Thema Armut gab der IWF-Vertreter Klaus Enders zu, dass es keine Anzeichen dafür gebe, dass sich die Armut verringert habe. Im Gegenteil: Die erhöhten Ausgaben für innere Sicherheit und Verteidigung sowie die vom IWF geforderte Ausgabendisziplin haben zu einer weiteren Schrumpfung des Sozialbudgets (Erziehung und Gesundheit) geführt, das ohnehin schon stiefmütterlich behandelt wird.

Nach einem Bericht der "Asiatischen Entwicklungsbank" ist die "absolute Armut", bei der die Betroffenen ihr Überleben nicht mehr durch eigene Kraft sichern können, seit 1993 um 6 % auf 32 % gestiegen. Zurückgeführt wird dies auf mangelnde Wachstumsimpulse in der ländlichen Wirtschaft, deren feudale Strukturen von Großgrundbesitz und Leibeigenschaft immer noch nicht beseitigt sind. Ähnlich schwerwiegend ist die Vernachlässigung der Bildung, insbesondere bei den erwachsenen Frauen, von denen immer noch 70 % Analphabeten sind. Laut ADB und IWF ist politische Stabilität der Schlüssel für erhöhtes Wachstum gerade bei den Armen.

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