Misstrauen der Kollegen belastet
Chefs Liebling: Dran, nicht drin

Ein gutes Verhältnis zum Vorgesetzten ist wichtig für den beruflichen Aufstieg. Es bringt aber auch Risiken mit sich. Lohnt es sich also, sich beim Chef anzubiedern?

cow DÜSSELDORF. Dass der Chef große Stücke auf seinen Assistenten hält, ist kaum zu übersehen. Schon mehrfach hat er ihm eine große Zukunft prophezeit. In Konferenzen lobt er seine Vorschläge stets begeistert, und regelmäßig betraut er ihn mit den interessantesten Projekten. Auch auf Firmenfeiern sucht er gerne seine Gesellschaft und plaudert höchst angeregt mit ihm, wobei er ihm zu vorgerückter Stunde wohlwollend auf die Schulter klopft. Obwohl sonst eher reserviert, hat er ihn kürzlich auf einen Cognac in sein Büro geladen und ihm das Du angeboten.

Eine derart bevorzugte Stellung bringt dem Privilegierten nicht nur Vorteile. Zwar macht niemand Karriere, den sein Vorgesetzter nicht mag. Doch wer sich allzu offensichtlich der Gunst des Chefs erfreut und sich stark an ihn bindet, muss auch mit Problemen rechnen. Am schwersten wiegen die Vorurteile der Kollegen: Sie qualifizieren den Liebling des Bosses leicht als Schleimer, Schmeichler oder Speichellecker ab und misstrauen ihm deshalb.



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Die Vorbehalte gibt es nicht ganz ohne Grund: "Trotz aller Bemühungen, die Personalauswahl durch Zielvereinbarungen, Rotation und 360-Grad-Feedbacks zu objektivieren, entscheidet über Beförderungen in vielen Fällen vor allem die persönliche Sympathie", sagt Oswald Neuberger, Professor für Personalwesen an der Universität Augsburg. Und die gewinnt man nur selten durch engagierte Kritik: "Vorgesetzte behaupten zwar, dass eigenständige Querdenker für sie als Mitarbeiter besonders wertvoll sind, doch in Wahrheit sind viele eitel und deshalb für Schmeicheleien sehr empfänglich", sagt Neuberger. So schätzen sie es durchaus, wenn ihnen ein Mitarbeiter den viel zitierten Spiegel vorhält. Jedoch vor allem dann, wenn der ihnen verkündet, dass sie die Besten im ganzen Land sind.

Quelle: WirtschaftsWoche

Wie gut gezieltes Anbiedern bei einer Führungskraft ankommt, hängt von ihrer Persönlichkeit ab. "Autoritäre Bosse umgeben sich gerne mit Jasagern, und schwache Chefs können ohnehin keinen Widerspruch ertragen", meint Neuberger. Sie seien stets auf der Suche nach treuen Vasallen, die keine Gefahr für die eigene Position darstellen. Die fachliche Leistung ist dann in der Tat erst einmal zweitrangig. Kollegiale Chefs, die ein offenes Diskussionsklima förderten, könnten dagegen auch mit Kritik gut leben.

Der Charakter des Vorgesetzten entscheidet darüber, wie die anderen Mitarbeiter seinen Favoriten wahrnehmen. Ist der Boss unbeliebt, ist es sein Adjutant noch viel mehr. Die Kollegen beäugen seine Leistung besonders kritisch, und jeder Fehler bestätigt ihre Ansicht, dass er seine Position einzig geschicktem Taktieren verdankt. Häufig unterstellen sie ihm, dass er mit fiesen Tricks operiert und sie aushorcht, um sie bei nächster Gelegenheit zu verpetzen. Die Kommunikation wird folglich auf ein Minimum beschränkt. Derartigen Reaktionen - wenn auch in abgeschwächter Form - müssen sich allerdings auch diejenigen aussetzen, die tatsächlich Hervorragendes leisten.

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