Mit 34 Jahren zum dritten Mal Gold
Wenn Vater Fiedler mit dem Sohn den Olympiasieg feiert

Der Bahnradsportler Jens Fiedler hat sich im Teamsprint die dritte Olympische Goldmedaille seiner Karriere gesichert. Überglücklich nahm er seinen vierjährigen Sohn im Anschluss mit auf die Ehrenrunde.

HB ATHEN. Ramon-Noel Fiedler wollte seinen Vater gar nicht mehr loslassen. Erst saß der Vierjährige auf dem Lenker des Rades seines Papas, dann klammerte er sich überglücklich um dessen Hals. Jens Fiedler war sichtlich stolz. Stolz auf sich, seinen Sohn und vor allem über die Leistung im Teamsprint. Und irgendwie schien auch der Kleine mitbekommen zu haben, was da gerade passiert war.

Minuten zuvor war Fiedler mit seinen Kollegen Rene Wolff und Stefan Nimke zum Olympiasieg im Teamsprint gefahren. In 43,980 Sekunden hatte das Trio des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) im direkten Vergleich die Japaner (44,246) hinter sich gelassen. Die Franzosen, die als einer der Mitfavoriten ins Rennen gegangen waren, konnten sich im Duell mit den Australiern nur den für sie enttäuschenden dritten Platz sichern.

Die Idee, seinen Sohn mit auf die Ehrenrunde zu nehmen, habe er schon seit Jahren in seinem Kopf mit sich herumgetragen, erzählte der 34-jährige Fiedler nach dem Rennen. Als er seinen Filius dann allerdings vor sich auf der Lenkerstange hatte, war es fast anstrengender als die zuvor absolvierte Runde im Wettkampf. «Ich musste mich schon sehr konzentrieren, dass wir das Gleichgewicht halten.» Ramon Noel, der mit seiner Mutter in einem Wohnmobil aus Deutschland angereist kam, war das egal. Er genoss die Ehrenrunde auf dem Rad seines Vaters mit einem Grinsen auf dem Gesicht.

Und für Fiedler war es ein ganz besonderes Rennen: Nach seinen Siegen im Sprint 1992 in Barcelona und vier Jahre später in Atlanta war es für ihn der dritte Olympiasieg bei seiner vierten Teilnahme. Mit so einem Erfolg kann man seine Karriere mit einem Gefühl der tiefen Zufriedenheit beenden. Eigentlich hätte Fiedler bei diesen Olympischen Spielen in Athen noch im Einzelsprint und im Keirin an den Start gehen sollen. Doch ob er es macht, ist nach diesem Erfolg noch unklar. «Ich werde die Nacht darüber nachdenken, ob ich noch einmal antrete oder ob es mein letztes Rennen war.»

Das er mit seinen 34 Jahren noch einmal einen solchen Erfolg erringen konnte, sei «unglaublich, einfach eine geile Sache», sagte Fiedler. Dass das deutsche Team zu einer solchen Leistung in der Lage ist, daran hatte Fiedler geglaubt. «Wir wussten, dass wir vorne mitfahren können.»

Nach diesem Triumph hofft Fiedler nun darauf, dass er zu einem Aufschwung des deutschen Bahnradsports führt. Schließlich präsentierten sich die deutschen Bahnradfahrer nicht nur im Teamsprint in ausgezeichneter Verfassung. Bereits am Freitag hatte Stefan Nimke im Zeitfahren über die 1000 Meter die Bronzemedaille errungen.

Trotz seines kraftraubenden Einsatzes tags zuvor bekam der Hagenower in der innerdeutschen Ausscheidung den Vorzug vor Carsten Bergemann. Und diese Entscheidung erwies sich als goldrichtig. Nimke hatte nach den von ihm zu bestreitenden drei Runden das größte Stehvermögen. «Erst hatte ich nach dem Einsatz am Freitag doch etwas Schmerzen in den Beinen, doch im Vorlauf lief es erstaunlich gut. Da wusste ich, es geht was.»

Auf den letzten Metern musste der 26-Jährige dann aber mächtig die Zähne zusammen beißen. «Ich habe den Kopf ganz nach unten genommen und noch einmal das Letzte aus mir herausgeholt. Nachdem sich Nimke am Freitag noch enttäuscht über den Gewinn der Bronzemedaille gezeigt hatte - sein erklärtes Ziel war der Olympiasieg gewesen - war er 24 Stunden später umso glücklicher. »Das ist gigantisch. Jetzt ist es mir egal, dass ich am Freitag nur Bronze geholt habe. Nun habe ich in meiner Sammlung alles, was es zu gewinnen gibt: Gold, Silber, Bronze. Was will man mehr«, sagte der 26-Jährige. Das sagte sich auch Jens Fiedler. Er kann seine Karriere als dreimaliger Olympiasieger beenden. Wer kann das schon von sich behaupten. Ramon-Noel kann stolz auf seinen Vater sein.

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