Mit 450 Millionen Einwohnern wird die EU die größte einheitliche Wirtschaftszone der Welt
Deutsche Wirtschaft hat die EU-Erweiterung schon vollzogen

Mit der Aufnahme der zehn Beitrittsländer im Mai 2004 wird die größte Wirtschaftszone der Welt entstehen. Die erweiterte EU, die dann aus 25 Ländern besteht, repräsentiert mit 450 Millionen Einwohnern einen riesigen Markt.

BERLIN. "Aus Sicht der Industrie übertreffen die Vorteile der Erweiterung schon jetzt bei weitem die Kosten", sagt der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Michael Rogowski. "Die beachtlichen Vorteile, die mit der Wirtschaftsintegration der Beitrittsländer verbunden sind, sind zu einem großen Teil bereits eingetreten", konstatiert Barbara Böttcher, Analystin bei Deutscher Bank Research mit Blick auf die schon länger bestehenden Assoziierungsabkommen zwischen der EU und den Beitrittsländern. Mittlerweile würden die acht Beitrittsländer aus Mittel- und Osteuropa mehr als 10% der deutschen Exporte aufnehmen - und damit ebenso viel wie die Vereinigten Staaten. Weil die Wirtschaft den Beitritt schon vorweggenommen habe, wird der förmliche Vollzug der Osterweiterung nach Einschätzung des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) keine Konjunkturimpulse in Deutschland auslösen. "So komisch das klingt: Der wesentliche Schub ist schon abgelaufen", sagte Institutspräsident Rüdiger Pohl. Bisherige Grenzregionen könnten aber von Wachstumszuwächsen in Osteuropa profitieren. "Die regionale Nähe ist sicherlich ein Vorteil für den Standort Deutschland", konstatiert IWH-Ökonom Joachim Ragnitz.

Von nach wie vor beachtlichen Zuwachsraten im Export spricht der Präsident des Bundesverbands des deutschen Groß- und Außenhandels, Anton Börner. Während der Export deutscher Waren und Dienstleistungen 2002 allgemein um 1,6 % zulegte, erzielten die deutschen Exporteure in den Beitrittsländern einen Zuwachs von 7,6 %. Doch der Handel ist keine Einbahnstraße. Mittlerweile würden 60 bis 80 % der Exporte aus den osteuropäischen Staaten in die EU gehen. Mit dem absehbaren Beitritt der EU-Aspiranten haben sich die ausländischen Direktinvestitionen in diesen Ländern in den vergangenen Jahren kräftig erhöht (siehe Grafik). Der größte Teil dieser Direktinvestitionen stammt dabei aus den EU-15-Staaten, wobei deutsche Unternehmen in allen Beitrittsländern zu den vier größten Direktinvestoren gehört. Ein überproportional großer Anteil an mittelständischen Unternehmen ist an den Auslandsinvestitionen beteiligt. Ausgeprägt ist der Trend, lohnkostenintensive Fertigung in preiswertere Standorte zu verlagern. Auf diese Weise werden am Investitionsstandort neue Arbeitsplätze geschaffen - und im Hochlohnland Deutschland gesichert, meinen jedenfalls einige Ökonomen. "Unter dem Strich wird durch die günstigere Kostenstruktur die internationale Wettbewerbsfähigkeit der investierenden Firmen verbessert", stellt Böttcher von Deutscher Bank Research fest.

Experten sprechen angesichts des Beitritts von einer "Win-Win-Situation". Kleinere Länder, die in einen Wirtschaftsraum eintreten, profitieren immer mehr als der Wirtschaftsraum insgesamt. Das verwundert nicht weiter, schließlich macht das addierte Sozialprodukt der Beitrittskandidaten lediglich 5% des Bruttoinlandsprodukts der EU-15-Staaten aus. Mittel- und Osteuropa zählt Deutsche Bank Research zu den am schnellsten wachsenden Regionen in der Welt. Während die EU-Kommission ihre Wachstumserwartungen für die 15 EU-Staaten jüngst von 1,8% auf 1,3% herunterschraubte, wird für die Beitrittsländer ein Zuwachs von 3,1% in diesem Jahr und von mehr als 4% im kommenden Jahr erwartet. Das sind gute Nachrichten für deutsche Exporteure.

Quelle: Handelsblatt

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