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Mit Antikörpern im Aufwind - Morphosys rückt in Tecdax auf

Morphosys hat Federn gelassen, aber überlebt. Der Börsenstart des Biotech-Unternehmens im Jahr 1999 fiel in die Boomphase am Neuen Markt. Die Kurse stiegen in astronomische Höhen - bis auf 360 €. Nachdem die Börsenblase geplatzt war, waren es zeitweise nur noch 4,77 €. Seitdem setzte Morphosys zum langsamen Wiederaufstieg an. Die Belohnung folgte am vergangenen Freitag: Das Unternehmen rückte wieder in den Tecdax auf.

dpa-afx FRANKFURT. Morphosys hat Federn gelassen, aber überlebt. Der Börsenstart des Biotech-Unternehmens im Jahr 1999 fiel in die Boomphase am Neuen Markt. Die Kurse stiegen in astronomische Höhen - bis auf 360 ?. Nachdem die Börsenblase geplatzt war, waren es zeitweise nur noch 4,77 ?. Seitdem setzte Morphosys zum langsamen Wiederaufstieg an. Die Belohnung folgte am vergangenen Freitag: Das Unternehmen rückte wieder in den Tecdax auf.

"Die Restrukturierungen der vergangenen Jahre haben das Unternehmen wesentlich besser positioniert", sagt Analyst Christian Orquera von der Bankgesellschaft Berlin. Morphosys habe seine Hausaufgaben gemacht und die Kosten in den Griff bekommen. Überdies habe das Unternehmen wichtige Patentrechtsprozesse für sich entscheiden können. Den Durchbruch in die Gewinnzone könne Morphosys in zwei Jahren schaffen. "Die können kurz- und mittelfristig profitabel arbeiten."

2003 Erstmals Operativer Gewinn

Im vergangenen Jahr hatte Morphosys seinen Jahresfehlbetrag von 24,4 Mill. ? im Jahr 2002 auf 4,1 Mill. ? gesenkt. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stand erstmals ein Gewinn von 1,2 Mill. ? in der Bilanz. Im Juni gab dann noch der Schweizer Pharmakonzern Novartis seinen Einstieg bei Morphosys bekannt. Die Schweizer erwarben mehr als neun Prozent. Dies war mehr als nur ein Imagegewinn: Der Kurs sprang daraufhin bis auf ein 52-Wochen-Hoch von 26,22 ?.

Mit einer Marktkapitalisierung von rund 112 Mill. ? ist Morphosys aber noch weit hinter den Spitzenwerten des Jahres 2000 entfernt. Damals konnte sich Morphosys-Chef Simon Moroney noch über eine Marktkapitalisierung von mehr als einer Milliarde Euro freuen. Für viele Investoren werde das Unternehmen mit der Aufnahme in den Tecdax aber interessanter, sagt Analyst Orquera. "Das öffnet Türen. Das Unternehmen bekommt mehr Aufmerksamkeit, vor allem bei institutionellen Anlegern." Das Kursziel sehe er derzeit bei 30 ?.

Kerngeschäft Antikörper

Das 1992 in Martinsried bei München gegründete Unternehmen beschäftigt derzeit rund 120 Mitarbeiter. Morphosys entwickelt vorrangig therapeutische Antikörper. Das sind Eiweiße, die im Immunsystem gegen verschiedene Krankheitserreger zum Einsatz kommen. Zentrales Element ist hier die so genannte Kombinatorische Human-Antikörperbibliothek (Hucal), eine Sammlung mit mehr als zwölf Mrd. Antikörpern. Auf Wunsch von Kunden durchforstet Morphosys die Bibliothek und sucht nach Antikörpern, die an vorgegebene Zielmoleküle andocken können, die im Zusammenhang mit bestimmten Krankheiten.

Darüber hinaus will Morphosys künftig eigene Produktkandidaten entwickeln und vor dem Eintritt in die klinische Prüfung auslizensieren. Kooperationspartner übernehmen die weitere Entwicklung und Vermarktung. Analyst Karl-Heinz Scheunemann vom Bankhaus Metzler hält dies für einen vielversprechenden Ansatz, der in Zukunft für weiteres Wachstum sorgen könnte.

Morphosys arbeitet nach eigenen Angaben mit einer Reihe großer Pharmakonzerne zusammen, allen voran Novartis, aber auch Bayer , Schering und Pfizer . Einnahmen kommen beispielsweise aus Lizenzgebühren und aus der Gewinnbeteiligung an am Markt eingeführten Medikamenten. Größter Aktionär ist derzeit die Cambridge Antibody Technology Group mit einem Anteil von 10,87 %. Novartis Pharma hält 9,06 %, Schering 6,62 %. Gut 73 % der Aktien befinden sich in Streubesitz.

--- Von Michael Friedrich, dpa-AFX ---

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